Dürener Schausteller fühlt sich ausgetrickst
Düren. Die Vorfreude aufs nahende Weihnachtsfest ist Schausteller Hans Gormanns gründlich vergangen.
Der Achterbahnbetreiber, der seit drei Jahren in Düren lebt und - wie er unterstreicht - auch seine Steuern bezahlt, erhielt mit seinem «Crazy Coaster» eine Absage für die Annakirmes 2003.
Der für die Platzvergabe verantwortliche Steuerausschuss der Stadt Düren entschied sich in geheimer Abstimmung für die «Wilde Maus» der Firma Kinzler aus Stuttgart, dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Vorgängermodell des «Crazy Coaster», das zudem deutlich unattraktiver ist, wie auch der Verband Reisender Schausteller Düren (VRS) in einer Stellungnahme an die Politiker herausstellte.
Der VRS betont, dass «wir Dürener Schausteller es sind, die unsere Stadt durch unserer Steuergelder stützen» und fordert, dass Dürener Schausteller bei gleicher Attraktivität ihrer Geschäfte den Vorzug gegenüber auswärtigen Konkurrenten erhalten sollten. «Schließlich ist für uns auswärts oft auch kein Unterkommen», unterstreicht Dürens Schaustellerchef Rolf Giebel.
Doch die im «Sinne der Attraktivitätssteigerung der Annakirmes» (Giebel) erfolgte Eingabe des VRS brachte den Steuerausschuss nicht von seiner Entscheidung gegen Hans Gormanns ab.
«Die Platzvergabe unterliegt dem Gestaltungswillen des Veranstalters», erklärt Platzmeister Max Röntz, die für die Annakirmes geltende Gewerbeordnung sehe keinen Vorrang für einheimische Schausteller vor und der Steuerausschuss habe sich im Sinne des kontinuierlichen Wechsels für die «Wilde Maus» entschieden.
Mit dieser Argumentation aber gibt sich Gormanns nicht zufrieden, spricht offen von Schiebung hinter den Kulissen, wie anders könne der Ausschuss «alte Schinken» moderneren und attraktiveren Fahrgeschäften vorziehen.
Denn wie am Rande durchsickerte: Auch die von Platzmeister Max Röntz als Ersatz für den «Olympia-Looping» präferierte High-Tech-Achterbahn «Cyber Space» der Münchner Schaustellerfamilie Kaiser, die zu atemberaubenden Steilfahrten einlädt und noch nie in Düren Station machte, erhielt keinen Zuschlag für das kommende Jahr.
Dafür darf Kirmesmogul Kinzler eine doppelte Version seiner «Wilden Maus» aufbauen und als weiteres Fahrvergnügen neben einer Wildwasserbahn wird dem Kirmesbesucher nach längerer Pause wieder die ebenfalls in die Jahre gekommene Achterbahn «Fire & Ice» angeboten.
Hans Gormanns ist fassungslos. Hätte ihm der Steuerausschuss bereits im Sommer signalisiert, er müsse nach zwei Jahren auf der Annakirmes 2003 pausieren, er hätte sich mit seinem «Crazy Coaster» auf anderen Plätzen beworben.
Jetzt aber ist der Zug in diese Richtung bereits abgefahren. Neben dem nicht unerheblichen finanziellen Schaden (Umsatzeinbuße in sechsstelliger Höhe) fürchtet der Schausteller aber noch mehr den Imageverlust in der hart umkämpften Branche, wenn er mit seiner Millioneninvestition nicht einmal in seiner Heimatstadt stehen darf.
Von Jörg Abels (19.12.2002 | 21:30 Uhr)
(Quelle: https://nordkirmes.net/www.aachener-zeitung.de vom 19.12.2002)