Ursprung: Dommarkt im Marien-Dom, heute Pressehaus am Speersort, urkundlich erwähnt 1329, 1334 vom Bremer Erzbischof Burchard von Grelle wegen Störung des Gottesdienstes verboten (Kirchenbann), 1337 wieder zugelassen. Historiker meinen, dass der erste Dommarkt etwa im 11. Jahrhundert stattgefunden hat.
Zeitraum: Vorweihnachtszeit. Die Kirche vermietete die Plätze im Schappendom (Predigtsaal), Kreuzgängen, Netzgewölbe etc. an Handwerker und Kaufleute, von 1570 an auch an Buchhändler und Buchbinder; sie alle suchten Schutz vor dem winterlichen Wetter.
Entwicklung: 1803 fiel nach einer an weltliche Grenzen orientierten Gebietsanpassung der Marien-Dom an die Stadt Hamburg. Die ließ den Dom in den Jahren 1804 bis 1806 abreißen.
Doch der "Hamburger Dom" existierte weiter!
Örtlichkeit: Von 1804 für 90 Jahre auf verschiedenen Marktplätzen in der Stadt, so z.B. Gänsemarkt, Zeughausmarkt, Großneumarkt, Pferdemarkt, Spielbudenplatz.
Das an das Millerntor grenzende große Feld war zwischen 1609 und 1626 im Tausch vom "Hospital zum Heiligen Geist" von der Stadt übernommen worden. 1711 wurde das Heiligengeistfeld den Knochenhauern zum neuen Schrangen gegen eine Grundrente "für ewige Zeiten" als Weide überlassen. Im Jahre 1857 ging das Gelände durch Enteignung wieder an die Stadt, weil für die Anlagen neuer Straßen (Feldstraße) Raum benötigt wurde. Am 1. November 1893 wies die Polizeibehörde das in der Vorstadt gelegene Heiligengeistfeld und den nahen Spielbudenplatz dem Dom zu. Grund: Cholera in der Stadt. Um 1900 stand an der heutigen Feldstraße noch eine große Windmühle. Sie wurde erst Ende August 1939 abgebrochen. Eine kleine Mühle steht heute zu jeder Domveranstaltung dort - es ist ein Imbiss- und Schankbetrieb.
Schaubuden: Zunächst "Optisches Theater" genannt. Bereits 1567 stellte sich ein Seiltänzer zur Schau und 1638 wurde ein Elefant zur Schau gestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die Schaubuden mit Abnormitäten, skurilen, exotischen, pikanten und erotischen Darbietungen (z.B. Damen im Minirock). Auch Carl Hagenbeck fing so an und zeigte seine Menagerie wilder Tiere auf dem Spielbudenplatz.
Karussells: Ponykarussells wurden entwickelt oder beispielsweise die durch Menschhand und Muskelkraft schwebende Krinoline. Mehr und mehr setzte sich die Technik aber durch, blitzblank geputzte Dampfmaschinen prägten das Bild, die ersten Berg- und Talbahnen entstanden. Um 1880 hatte der Fabrikant W.E. Stuhr in seiner Fabrik am Zirkusweg begonnen, Karussells mit Dampfkraft zu bauen.
Spieldauer: 8 Tage vor Weihnachten. Durch Reglement der Polizeibehörde vom 26.11.1868 wurde er auf drei Wochen verlängert. Der Dom begann am ersten Sonntag im Dezember und endete am zweiten Weihnachtstag. Heute 31 Tage von Anfang Nov. bis Anfang Dez.
Technik: Mit Erfindung des Dieselmotors setzt sich die Technik voll durch. Die Wandlung vom romantisch-biedermeierlichen Weihnachtsmarkt zum nervenkitzelnden Vergnügungspark wird vollzogen. 1890 hatte der Schlosser Hugo Haase die erste elektrisch betriebe Berg- und Talbahn gebaut.
Unterbrechung: Während der Kriegsjahre 1914 bis 1917 war der Dom unterbrochen worden. Doch bereits 1918, nach Abschluss des Waffenstillstandes, ging es wieder rund auf dem Heiligengeistfeld, allerdings ohne Alkoholausschank.
Von 1939 bis 1945 gingen auf dem Dom abermals die Lichter aus - wie in ganz Europa. Mit Hilfe der britischen Besatzungsmacht, die Farben, Nägel, Holz, Schrauben und Antriebsaggregate besorgte, ging es 1945 wieder los, zunächst nur für die britischen Soldaten, dann aber auch für die Hamburger, allerdings auf der Moorweide und dem Spielbudenplatz; auf dem Heiligengeistfeld standen Notunterkünfte - Barackenlager, sogen. Nissenhütten.
Erst nach der Währungsreform ging es auf dem Heiligengeistfeld weiter.
Licht: Kurze Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurde es hell auf dem Dom. Petroleum- und Karbidlampen wurden eingemottet, Glühlampen sorgten für ein Lichtermeer und färbten den Himmel über der Stadt.
Post: Postsonderstempel gab es bereits 1931 - Aufdruck: Zwergenstadt Hamburger Dom 1931.
Zeitspiegel: Der Dom wuchs blühte und gedeihte; er wurde zum Spiegelbild der Zeit. Jede epocheprägende technische Neuerung fand sich alsbald auch auf der Buden-Meile wieder.
Der Frühlingsmarkt:
1922 entstanden auf verschiedenen Plätzen in der Stadt. Volksmund "Frühlingsdom". Es handelte sich zunächst um eine Begleitveranstaltung zu einem Zirkus. Spielzeit: 17 Tage vor Ostern, Ende am Ostermontag. Seit 1948 regelmäßig auf dem Heiligengeistfeld. Zunächst nur für Hamburger Schausteller gedacht, um das Geld für die Saison zu verdienen, danach Ausweiterung für alle Schausteller, 1987 auf 31 Tage Spielzeit verlängert.
Das Hummelfest:
Entstand 1945 aus dezentralen Sommermärkten auf verschiedenen Plätzen der Stadt, zunächst auf der Moorweide als Sommerfest bezeichnet, 1947 erstmals auf dem Heiligengeistfeld, ab 1949 als Hummelfest offiziell genannt - Volksmund: Sommerdom. Spielzeit heute: 31 Tage. Insbesondere von vielen Hamburgtouristen als Attraktion besucht.
Auch dieses Fest diente zunächst hauptsächlich den Hamburger Schaustellern zum Ausgleich für die verschlechterten Geschäftsbedingungen (Wegfall traditioneller Bereisungsgebiete in Ostdeutschland bei gleichzeitiger Überflutung der westdeutschen Märkte mit den aus dem Osten geflüchteten Schaustellern).
Wirtschaftliche Bedeutung des Hamburger Doms - Heiligengeistfeld
Größe: 160.000 Quadratmeter, bebaubare Fläche: 110.000 Quadratmeter, Länge der Aufbaureihen = bis zu 1.800 Metern, die beidseitig bebaut werden können.
Anschlussmöglichkeiten für Wasser, Abwasser, Strom und Telefon.
Mitte der 20er Jahre geriet der Dom auf dem Heiligengeistfeld in Gefahr. Das unbebaute Grundstück weckte Interessen in bezug auf eine Bebauung. Diese Überlegungen kommen immer wieder hoch, zuletzt in bezug auf den Bau einer Arena Ende der 90iger Jahre. Schausteller und Veranstalter müssen ständig auf der Hut sein.
Standgelder: Die von der Wirtschaftsbehörde berechneten Standgelder bringen rd. 2,1 Mio. DM pro Jahr und sind damit kostendeckend . Rd. 1,6 Mio. DM steckt die Behörde in die Unterhaltung und Bewirtschaftung des Domgeländes sowie des Begleitgrüns.
Werbung: Für die DOM - Werbung wenden die Wirtschaftsbehörde und die Schausteller jährlich rd. 1,8 Mio. DM auf.
Umsätze: Zu den drei Domveranstaltungen kommen rd. 9 Mio. Besucher. Umgesetzt werden so ca., 120 bis 130 Mio. DM. Bei schlechter konjunktureller Lage sinken die Umsätze entsprechend. Der größte Teil geht zurück in die Hamburger Wirtschaft. Ein direkter Geldstrom verbindet die Veranstaltungen mit den Zulieferfirmen wie Brauereien, Wurst-Fleischfabriken, Bäckereien, Mühlen etc.
Arbeitsplätze: Ca. 330 Schausteller sind in Hamburg beheimatet. Während der Veranstaltung wohnen und arbeiten auf dem Heiligengeistfeld rd. 2.200 Menschen.
Tourismus: Die Domveranstaltungen sind auch eine touristische Attraktion. Städtetouristen verbinden ihren Besuch der Stadt mit einem Bummel über den Dom.
Besucher: Die stolze Zahl von 9 Mio. Besucher setzt sich zusammen aus auswärtigen und ausländischen Gästen, Besuchern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie aus den neuen Bundesländern und natürlich Hamburgern.
Stromverbrauch: Der Stromverbrauch stieg ständig. Waren es in den 60er Jahren noch rd. 1,2 Mio. Kilowattstunden, sind es 1995 schon rd. 4 Mio Kilowattstunden gewesen und heute bereits mehr als 12 Mio. Kilowattstunden.
(Quelle: Behörde für Wirtschaft und Arbeit Hamburg)