Heiligabend: Für manche hat die Festtagsschicht ihren ganz besonderen Reiz.
Kreis Pinneberg - Was sich Polizistin Julia Jankowiak (23) zum Fest wünscht? Na, ganz logisch: ruhige Weihnachten. "Denn wenn wir heute Streß haben, haben doch andere Leute auch Streß", sagt die Polizeimeisterin von der Station Quickborn. Die gebürtige Niedersächsin, die 1999 bei der schleswig-holsteinischen Landespolizei angefangen hat, wird heute gemeinsam mit ihrer Kollegin Antje Wiechmann (24) dafür sorgen, daß die Menschen in Quickborn, Hasloh und Bilsen friedliche Weihnachten feiern können. Die Schicht der beiden Ordnungshüterinnen dauert von 7 bis 19 Uhr.
An Heiligabend Dienst schieben zu müssen, schockt Julia Jankowiak, die in Hemdingen wohnt, keineswegs. Daß zu Weihnachten ihre Kollegen freihaben, die zu Hause Kinder haben, findet sie nur gerecht. Im Vorjahr, so erinnert sich die 23jährige, schneite es am 24. Dezember und die Quickborner Polizisten mußten zu mehreren Unfällen ausrücken. Kann sie heute abend die Uniform in den Spind hängen, dann geht's nach Hause zum Freund ("der wartet"). Morgen fährt Julia Jankowiak zum Feiern zu den Eltern, die in der Nähe von Helmstedt wohnen.
Auch Busfahrer Claus-Hinrich Kruse (55) aus Appen-Etz muß heute ran. Und zwar ans Steuer. Während sich die Nachbarn mit den letzten Weihnachtseinkäufen und dem Schmücken des Baums beschäftigen, sitzt Kruse ab 10.57 Uhr auf dem Fahrersitz eines Linienbusses der KViP. Der 55jährige, der seit zwölf Jahren Kraftfahrer ist, fährt zunächst auf der Strecke Uetersen-Pinneberg-Uetersen, danach zwischen Uetersen und Tornesch. Im Laufe des Tages wird Kruse auch eine Art Gehilfe des Weihnachtsmannes sein. Schließlich fahren viele Menschen am Nachmittag mitsamt Geschenken zur Bescherung bei der Familie mit dem Bus. Bis 20.35 Uhr ist der KViP-Fahrer an Heiligabend im Einsatz, dann geht's zur Frau und den beiden Kindern, die mit Essen und Bescherung auf den Vater warten.
"Das schreckt mich nicht", sagt Kruse über seine weihnachtliche Schicht. Der Chauffeur rechnet heute mit "lauter netten Fahrgästen - obwohl wir eigentlich nur nette Fahrgäste haben".
"Warten aufs Christkind" - im Pinneberger Klinikum gehört das buchstäblich zum Feiertagsdienst auf der Geburtshilfestation. Schwester Marion Wirsching und ihre Kolleginnen konnten gestern noch nicht vorhersagen, ob an den Festtagen ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt. Im Klinikum wird der Feiertagsdienst reihum verteilt. Das bedeutet: Wer über Weihnachten freihat, muß zum Jahreswechsel antreten und kann vielleicht einem "Neujahrsbaby" auf die Welt helfen.
Peter Wagner (61) hat alle zwei Jahre Schicht am Heiligabend. "Das weiß man vorher, da lebt man mit. Und in meinem Alter gibt es zu Hause ohnehin kein großes Beschenken mehr", sagt er sachlich. Der Uetersener arbeitet in der zentralen Leitwarte im Großklärwerk Hetlingen, das sämtliche Abwässer des Kreises und noch drumherum reinigt. Dort ist immer jemand im Dienst. "Und wenn innerhalb des Werkes oder in den großen Sammlern Probleme auftauchen, müssen die Männer des Bereitschaftsdienstes ran. "Das passiert zum Beispiel, wenn wir große Regenfälle haben", erzählt Wagner. Er freut sich darauf, nach der Schicht, die um 21.30 Uhr endet, mit seiner Frau und seiner Tochter gemütlich zu klönen.
Stefan Kühn (24) gehört zur ehrenamtlichen Besatzung des DRK-Rettungswagens in Wedel, der an Wochenenden und Feiertagen die Kollegen vom Rettungsdienst des Kreises Pinneberg unterstützt. Kühn ist gelernter Versicherungskaufmann, setzt sich jedoch mit Leib und Seele für Kranke ein. Er ist ein so überzeugter Helfer, daß er zur Zeit eine Ausbildung zum Rettungsassistenten bei der Hamburger Feuerwehr absolviert, um hauptamtlich Kranke und Verletzte zu befördern. Bei so einer Motivation verwundert nicht, daß ihm der Dienst an Heiligabend wirklich nichts ausmacht. Und die Familie? "Meine Freundin Miriam ist Altenpflegerin und ebenfalls Schichtdienst gewohnt. Wir holen die Feier nach", sagt Kühn. Und schweigt - übers Geschenk . . .