Hannover - Niedersachsen verbannt als erstes norddeutsches Bundesland die Zigaretten komplett aus den Schulen. Kultusminister Bernd Busemann hat gestern in Hannover den Erlaß vorgestellt, der Schluß macht mit Raucherecken auf Schulhöfen und Raucherzimmern für Lehrer. "Ausnahmslos" sollen schon in wenigen Wochen die Gebäude rauchfrei werden. Busemann setzt darauf, daß die Lehrer "ihrer Vorbildfunktion gerecht werden" und kein schlechtes Beispiel geben, etwa indem sie in den Pausen zum Rauchen auf öffentliche Straßen ausweichen.
Rauchende Lehrer müssen in letzter Konsequenz mit Disziplinarverfahren rechnen. Den Schülern droht der ganze Katalog von Erziehungsmaßnahmen bis hin zum Schulverweis. Für Busemann ist das reine Theorie. Er setzt auf die Wirkung seiner Präventionskonzepte. Die sollen Schülern und Lehrern klarmachen, welch schädliche Folgen der Tabakkonsum für die Gesundheit, die Umwelt, aber auch für die Sozialversicherungen hat.
Grund für Busemanns strikte Haltung: Während die Zahl der Raucher insgesamt sinkt, greifen immer mehr Kinder von zwölf Jahren an zum Glimmstengel. Immer mehr Mädchen rauchen. Bei Kindern gibt es bereits nach wenigen Wochen Abhängigkeitssymptome. Neue Untersuchungen zeigten zudem, so Busemann, daß Zigaretten eine Einstiegsdroge sind: 38 Prozent der Raucher greifen regelmäßig zu Cannabisprodukten, bei Nichtrauchern nur zwei Prozent.
Der Minister nennt sich selbst "einen überzeugten Nichtraucher". Auf Nachfrage räumte er ein, daß es im Kultusministerium weiter kein generelles Rauchverbot gibt: Wer ein Einzelbüro hat, darf rauchen. Busemann ist aber überzeugt, daß es absehbar auch im Kabinett eine Diskussion über Rauchverbote in der Verwaltung geben wird. fert
erschienen am 14. Januar 2005 in Norddeutschland
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