„Von allein läuft es nicht mehr“
Heider Jahrmarkt durchwachsen – Schausteller Wulfes fordert neue Konzepte
Von Sönke Dwenger
Heide – Wer ein Herz für Schausteller hat, der sollte heute zum letzten Tag des Heider Sommervolksfestes gehen. Denn nicht alle Jahrmarktsbeschicker sind zufrieden mit den Umsätzen.
Mächtig am Schimpfen ist Zucker- und Glücksbudenbetreiber Hans-Jürgen Wulfes: „Es war ein miserables Geschäft. Entweder sind die Leute der Jahrmärkte überdrüssig, oder es gab vorher zu viele Veranstaltungen“ – was auch Jaqueline Weiß mit Blick auf das Stadtfest beklagt, das ausgerechnet am Wochenende vor dem Jahrmarkt stattfand. „So viel können die Heider nun auch nicht feiern.“ Die junge Schaustellerin bedauert außerdem, dass der Sommerjahrmarkt nicht mit einem verkaufsoffenen Sonntag zusammengelegt wurde. Nun bleibt ihr nur noch zu hoffen, dass der heutige Familientag mit den ermäßigten Preisen an allen Geschäften ein paar Euro mehr abwirft. „Heutzutage muss man ja zufrieden sein mit dem, was man kriegt. Die Zeiten sind eben überall schlechter geworden. Auch ein Tischler aus meinem Bekanntenkreis und die Eisdiele nebenan klagen.“ Wulfes, der seit 40 Jahren im Geschäft ist, sieht die schwierige Lage selbstkritischer: „Wir Schausteller und unsere Verbände müssen uns alle zusammentun und uns andere Konzepte einfallen lassen. Von allein läuft es nicht mehr. Wir haben seit Jahren dasselbe Publikum, das ich gar nicht abqualifizieren will, aber wir müssen versuchen, mehr Leute und andere Schichten zu erreichen.“ So hätte man zum Beispiel offensiv versuchen müssen, mit dem Stadtfest zu kooperieren. Viel kosten dürften neue Konzepte allerdings nicht: „Unser Potenzial ist am Ende“, sprich, auch den Schaustellern geht das Geld aus.
Und Geld spielt oftmals gerade bei den Schaustellern eine enorme Rolle. So hat der„Dancer“ von Hans-Werner Rüth (32) aus Hamburg schon vor zwölf Jahren stolze zwei Millionen Mark gekostet. Und die sollen ja erst mal wieder eingenommen werden. Rüth, der drei Fahrgeschäfte hat, zeigte sich gestern zufrieden mit diesem Jahrmarkt: „Ich komme immer gern nach Heide.“