ELMSHORN -
Im Streit zwischen den Elmshorner Markthändlern und der Stadt um die geplante Fußball-WM-Übertragung auf dem Buttermarkt haben sich die Fronten etwas beruhigt. Anlaß war ein klärendes Gespräch zwischen Bürgermeisterin Brigitte Fronzek, Mitarbeitern der Verwaltung, Marktbeschickern, Schaustellern und sowie Vertretern ihrer Berufsverbände. Wie berichtet, waren Händler und Schausteller auf die Barrikaden gegangen, weil sie befürchten, während der fünfwöchigen Live-Übertragung ihre Stammplätze und somit einen Großteil ihres Umsatzes zu verlieren.
Die Marktbeschicker wollen nicht in die Nebenstraßen abgedrängt werden - und die Schausteller sorgen sich um den traditionell am letzten Juni-Wochenende stattfindenden Jahrmarkt. Nach ausführlicher Diskussion waren sich alle Beteiligten einig, daß das WM-Event für Elmshorn eine große Bedeutung hat. Einvernehmen bestand auch darüber, daß Wochen- und Jahrmarkt in die Planungen miteinbezogen werden und die Beeinträchtigungen für Markthändler und Schausteller so gering wie möglich ausfallen müssen. Aus diesem Grund erfolgen weitere Treffen.
Fronzek: Kein Anspruch auf einen Stammplatz!
ELMSHORN -
Auf die Drohung der Elmshorner Markthändler, die Fußball-WM-Übertragung auf dem Buttermarkt notfalls per Klage verhindern zu wollen (die Pinneberger Zeitung berichtete), reagiert Bürgermeisterin Brigitte Fronzek gelassen. "Wir sind verpflichtet, den Markt durchzuführen. Ein Recht auf ihre Stammplätze haben die aber nicht", so die Verwaltungschefin.
Sie ärgert sich, daß von der Gegenseite nur Vorwürfe kommen und Ansprüche angemeldet werden. "Die sollten die WM-Aktion auch als Chance sehen." Die Bürgermeisterin betont, daß ein Dialog mit den Betroffenen bisher nicht geführt worden sei, weil noch nicht alle Fakten auf dem Tisch lagen.
"Wir haben einen Vertrag mit der Schweizer Agentur Infront und einen mit der Initiative Elmshorn, die uns von den Kosten freihält, unterschrieben. Beides erfolgte erst vorige Woche." Die Veranstaltung, für die der Buttermarkt eingezäunt werden muß, sei trotz Verträgen nicht gesichert. "Wenn von Infront zu viele Auflagen kommen, hat die Initiative das Recht, das Event abzusagen." Die Bürgermeisterin hofft jedoch, daß die Übertragung auf der Großbildleinwand stattfindet und rechnet damit, daß in wenigen Wochen genau feststeht, welche Fläche für das Spektakel benötigt wird.
"Dann werden wir uns mit den Händlern treffen." Fronzek kann sich vorstellen, daß der Markt auf dem gewohnten Terrain stattfinden kann. "Dann machen wir eben das Gitter an fünf oder sechs Stellen auf." Der Jahrmarkt am letzten Juni-Wochenende solle ans Südufer oder auf die Festwiese umziehen. Den zuständigen Rathausmitarbeitern sei entgegen der Vorwürfe nicht verboten worden, an einem Treffen der Händler teilzunehmen.
Klage gegen das WM-Spektakel?
Elmshorn: Händler wollen Buttermarkt nicht für Leinwand räumen. Marktbeschicker und Schausteller befürchten Umsatzeinbußen, wenn sie einen Monat lang ihre Stammplätze verlieren.
Von Arne Kolarczyk
Elmshorn -
"Frische Erdbeeren, hier nimm' mit, drei Schalen einen Euro." Ralf Schättiger ist gut drauf: An seinem Obst- und Gemüsestand auf dem Elmshorner Wochenmarkt verkauft er zweimal die Woche seine frischen Waren wie ein Weltmeister. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer droht dem Händler indes das Geschäft zu vermiesen: Vom 9. Juni bis 9. Juli soll eine Großbildleinwand auf dem Buttermarkt die Fans des runden Leders anlocken - zum Leidwesen der Marktbeschicker, die ihre angestammten Plätze räumen müßten.
Das wollen die Händler und auch die Schausteller, die traditionell am letzten Juni-Wochenende zum Jahrmarkt einladen, nicht hinnehmen. "Wir haben ein angestammtes Recht auf unsere Plätze, sie bedeuten unsere Existenz", so Erich Wedekind aus Seester, Leiter der Kreisstelle Itzehoe des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute Schleswig-Holstein. Die WM-Aktion bedeute einen "katastrophalen Eingriff für den Wochen- und den Jahrmarkt". Notfalls wollen die Betroffenen vor Gericht ziehen (siehe Info-Kasten).
Wedekind: "Wir haben etliche Briefe an die Stadt geschrieben und auf das Problem hingewiesen." Doch die Antworten seien "wischi waschi" gewesen, etwa, daß der Markt "aufgrund der übergeordneten Bedeutung der WM in beengter Form stattfinden werde". Wedekind betont, kein Gegner der WM-Spektakels zu sein. "Aber es kommt auf ein Miteinander an, wir dürfen in einem unserer umsatzstärksten Monate nicht ausgegrenzt werden."
Obst- und Gemüsehändler Schättiger aus Hohenfelde steht in dritter Generation seit über 40 Jahren mittwochs und sonnabends immer am gleichen Ort. Elmshorn ist für ihn ein ganz wichtiges Standbein. Er habe fast ausschließlich Stammkunden, für die er die Ware nachts frisch auf dem Großmarkt einkauft. "Die wissen, wo sie mich finden. Wenn ich während der WM irgendwo in der Seitenstraße stehen muß, mache ich 50 Prozent weniger Umsatz." Schon einmal, als in Elmshorn der Schleswig-Holstein-Tag gefeiert wurde, mußte der Händler an die Peripherie ausweichen. "Da hab' ich ein ganz dickes Minus gemacht, meine Ware nicht wie sonst abverkaufen können."
Wolfgang Behnke hat an diesem Ausweich-Markt nicht teilgenommen. "Mein Wagen ist groß, der paßt nicht einfach woanders hin. Außerdem habe ich dank meiner Ware viele Auflagen, darf nicht in der Sonne stehen." Der 50jährige aus Groß Nordende verkauft Feinkost, hauptsächlich Fisch. Die Rohware wird täglich frisch erworben, die Verarbeitung erfolgt Zuhause. Verkauft wird an drei Tagen die Woche - zwei davon in Elmshorn.
"Ich habe sechs festangestellte Mitarbeiter und daher hohe Kosten", klagt der Geschäftsmann, der seit 33 Jahren die Fisch-Freunde in Elmshorn "beglückt". Eine Einbuße seines Stammplatzes, wenn auch nur für einen Monat, koste ihn eine sechsstellige Summe. "Selbst ein Konkurs ist nicht ausgeschlossen." Bereits im September, nach Bekanntwerden der WM-Pläne, schrieb Behnke an die Stadt. Eine Antwort kam erst im Januar - dergestalt, daß noch gar nichts entschieden sei. Behnke: "Eine Woche später hing das Riesen-Plakat an der Markthalle. Von der Stadt werden wir Händler doch nur hingehalten und belogen."
"Feiern wie die Weltmeister" steht in Riesenlettern auf dem Transparent, auch ein großes Tor in Form eines Fußballs schmückt bereits den Buttermarkt. Einen Plan, welchen Platz Leinwand und Tribüne beanspruchen, gibt es bisher nicht. "Die Marktbeschicker könnten in die umliegenden Straßen ausweichen", so Marktmeister Kai Krüger. Dafür seien aufgrund der benötigten Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse jedoch noch genaue Planungen notwendig. "Was aus dem Jahrmarkt wird, ist noch nicht entschieden."