Kirmes: Erste Absagen wegen des Strom-Ärgers
Schausteller haben ein schwieriges Jahr hinter sich: Schlechtes Wetter, Teuro-Euro-Debatte. Viele Ungereimtheiten wegen Energie-Pauschale
Der Strom erst macht es möglich: schwindelnde Gefühle und bunte Lichter. Doch diesmal sorgt der Strom schon hinter den Kulissen für Hochspannung. • Foto: Gottschalk
SOEST • "Die Stimmung ist beschi..., das ganze Jahr fast nur schlechtes Wetter und dann noch die Euro-Umstellung." Eigentlich reisen Kirmes-Schausteller wie Rolf Gericke schon mit genug Sorgen von Platz zu Platz. Doch als ob das nicht reicht, kommt jetzt noch in Soest das Theater um die Strom-Pauschalen hinzu.
Die neue Abrechnungs-Methode - Vorabüberweisung, keine Rückerstattung auch bei weniger Verbrauch, teils deutlich höhere Pauschalen als im Vorjahr - ist seit Wochen d a s Thema auf den Rummelplätzen. "Die Schausteller reden nur noch über Soest", berichtet Rainer Schulz, der für die Branchen-Zeitschrift "Komet" arbeitet und sich soeben in Werne umgehört hat, wo heute "Sim-Jü" beginnt, die große Kirmes entlang der Lippe. Sein Eindruck: "Die Schausteller sind stinksauer auf Soest."
Die ersten, so bestätigt auch Dirk Bröcking vom Soester Veranstaltungsbüro, haben bereits wegen des Ärgers die Verträge zurückgegeben. Viele andere beißen die Zähne zusammen, wohl wissend, dass sie auf das Geschäft in Soest gerade wegen der Misere in diesem Jahr gar nicht verzichten können.
"So etwas gibt es sonst nirgendwo"
Und trotzdem. Bieten lassen wollen sie sich die Soester "Wild-West-Methoden" (Gericke) nicht. Mittlerweile sind Anwälte eingeschaltet worden, um sich mit den Stadtwerken auseinander zu setzen. Gericke selber, der seit 20 Jahren die Bücher der "Schwarzwaldmühle" führt und Kaufmann durch und durch ist, hat nicht nur "unter Vorbehalt" die saftig erhöhte Pauschale bezahlt; er fordert jetzt sogar Geld zurück.
Denn im vergangenen Jahr hat er für seinen Verkaufswagen 802 Euro bezahlt. Für dieselbe Leistung verlangten die Stadtwerke dieses Mal (bereits Ende September) als Vorauskasse 1 403 Euro - ein Aufschlag von 75 Prozent. Gericke überwies das Geld, verlangte aber schriftlich, die Zähler abzulesen und nach Verbrauch abzurechnen.
"Anstatt auf meinen Brief einzugehen, schickten mir die Stadtwerke einen neuen Vertrag" - diesmal über 1 258 Euro. Der Kaufmann aus der "Schwarzwaldmühle" wandte sich erneut an die Stadtwerke und bekam binnen Wochen den dritten Kontrakt. Und diesmal verlangten die Soester Stromversorger nur noch 858 Euro.
"So etwas gibt es nirgendwo sonst", resümieren die Schausteller und sind mittlerweile - wie einer von ihnen klagt - "richtig wütend" auf den örtlichen Versorger. Dabei waren die Kirmesleute und Stadtwerke-Chef Alfons Bröker vor einem Jahr noch dicke Freunde. Sie dekorierten den Stadtwerke-Chef sogar mit einer Urkunde und nannten ihn einen "verlässlichen Partner" - zum Dank für sein Krisenmanagement, das er vor zwei Jahren beim großen Stromausfall auf der Kirmes an den Tag gelegt hatte.
Doch das ist lange her. • hs
(Quelle: Soester Anzeiger vom 26.10.2002)