Ganoven stahlen die Achterbahn
Neun Schwertransporter in der Nacht aus der Adam-Kaserne weggeschafft. Schausteller Fredy Schneider sorgt sich um seine Existenz - und bittet um Hilfe
Fassungslos: Fredy Schneider und sein Sohn David. • Foto: bs
SOEST • Die "Extrem"-Achterbahn, die nächste Woche auf der Soester Allerheiligenkirmes stehen sollte, ist gestohlen worden. "Die Diebe sind mit neun Transportfahrzeugen unterwegs", berichtete Achterbahn-Eigner Fredy Schneider gestern gegenüber dem Anzeiger.
"Das hat es noch nie gegeben!" Der 40-jährige Schausteller ist fassungslos. Wohl Imbisswagen und auch kleinere Karussells seien in der Vergangenheit schon mal abhanden gekommen. Aber eine riesige Achterbahn, 160 Tonnen schwer, startklar verpackt auf sieben Sattelauflegern und in zwei Anhängern - das hat die Branche noch nicht erlebt.
Bis Montag vergangener Woche stand Schneiders Achterbahn auf der Kirmes in Rheine. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag bauten er und seine Helfer das Karussell ab und verfrachteten die einzelnen Teile Richtung Soest. In der Adam-Kaserne am Meiningser Weg wurden die Lastzüge bis zur Soester Kirmes geparkt. "Den letzten Transporter habe ich dort selber am Donnerstag um 17.30 Uhr abgestellt", schildert Schneider.
"Kosten und Zinsen laufen jeden Tag weiter"
Bis dahin war die Welt in Ordnung. Einen Tag darauf, am Freitag, waren alle neun Transportwagen spurlos verschwunden. Eine "Spedition Müller", so erfuhr Schneider später, als er Anzeige bei der Polizei erstattete, habe sich noch in der Nacht zum Freitag auf der Polizeiwache gemeldet und angekündigt, "nun die Achterbahn abzuholen".
Vermutlich waren dies die Diebe, die sich den Rücken gegenüber der Polizei freihalten wollten. So knackten sie das Kasernentor und müssen dann mit neun Zugmaschinen die einzelnen Hänger abgeholt haben. Seitdem quält Fredy Schneider nur eine Frage: "Wem wäre es von Vorteil, wenn meine Achterbahn nicht mehr aufgebaut wird?"
Zwar ist das zwei Millionen Euro teure Karussell gegen Diebstahl versichert, nicht aber die Einnahmeausfälle, die nun auf die Familie zukommen. "Meine Kosten und Zinsen laufen ja jeden Tag weiter."
Während sich die Familie Schneider weiter um ihre anderen Geschäfte kümmert - Vater August hat einen Autoscooter, Schneiders Frau einen Reibekuchenstand, die Schwestern den "Wellenflieger" und ein Crepes-Stand - jagt Fredy Schneider nun über die Autobahn von Rastplatz zu Rastplatz in der Hoffnung, die blau-türkis lackierten Lastzüge mit seiner Achterbahn zu entdecken: "Ich kann doch nicht die Hände in den Schoß legen."
An die Soester Bevölkerung richtet er die Bitte, ihm mit Hinweisen zu helfen. "Das müssen doch die Nachbarn an der Adam-Kaserne mitbekommen haben, wenn hier nachts neun Schwertransporte durchgerollt sind." Was also waren das für Zugmaschinen? Standen Speditionsnamen auf den Türen? Wo fuhren die Lastzüge lang? • hs
Wie der Anzeiger bei Redaktionsschluss erfuhr, ist das Fahrgeschäft in eine Halle nahe Zwolle/Niederlande gebracht worden. Schneider, der einen entsprechenden Tipp bekommen hatte, stöberte seine Achterbahn selbst auf.
(Quelle: Soester Anzeiger vom 28.10.2002)