Wie viel Spaß macht der Vergnügungspark in Sierksdorf? Die LN haben es getestet
Abenteuer Hansa-Park
Die LN haben zwei Kinder an die Hand genommen und mit ihnen den Erlebnispark an der Ostsee getestet. Wir waren erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man alle Attraktionen ausprobieren will.
Von Sabine Räth
Den Werbeslogan "Ich bestimme in meiner Welt" kann ich nicht mehr hören, denn meine Tochter zitiert ihn oft und gern. Meistens völlig unangebrachterweise. Diesmal ist es aber wirklich Programm: Nele und Steven bestimmen in ihrer Welt - und diese Welt ist der Hansapark. Zwei Kinder, losgelassen zwischen Altem Jahrmarkt, Bonanza City und dem Piratenland. Zwei Rucksackträgerinen, Jackenhalterinnen und Wasserflaschenaufdreherinnen (im Folgenden der Einfachheit halber Mütter genannt) und eine Fotografin: Das ist das Personal für den LN-Hansapark-Test. Die Kinder haben das Sagen. Dass sie das auch wissen, macht die Sache für die Großen nicht unbedingt einfacher, den Kleinen aber natürlich doppelt Spaß.
Nele ist fassungslos: "Ihr müsst wirklich alles machen, was wir sagen?" Auch Steven traut der Sache noch nicht so recht: "Wir dürfen fahren, so lange und so oft wir wollen?" "Alles klar", verkünden die beiden nach kurzer Beratung im Chor: "Wir bleiben bis ganz zum Schluss!"
Während der Fahrt nach Sierksdorf singen die übermütigen Hinterbänkler zur Einstimmung Weihnachtslieder. "Das kann ja heiter werden" - Lisas Gesichtsausdruck spricht Bände. Sie ist die tapfere Mutter des geleasten Testkindes.
"Wir sind da!" "Ich fahre mit der Rolltreppe zum Eingang!" "Guck mal, da steht ein Orchester!" "Da will ich hin!" "Boh, was für ein großes Schiff!" "In die Achterbahn gehe ich nicht!" "Kann ich mir was Süßes kaufen?"
Wir Großen toben hinterher, lotsen die Kleinen unauffällig zum 100 Meter hohen Holstein-Turm. Damit wir das Ganze wenigstens ein bisschen strukturiert angehen können. "Von da oben könnt ihr gucken, was ihr sehen und machen wollt", versprechen wir. Die langsame Himmelfahrt mit der Aussichtsplattform beginnt. Mir entfährt ein "huch, das kitzelt aber im Bauch".
"Die Großen vertragen aber auch gar nichts." Gesagt hat's keiner, man will ja nicht gleich die Stimmung verderben. Aber eins ist sonnenklar: Gedacht haben es beide Kinder. "Das ist fast wie im Weltraum", flüstert Steven andächtig. Er und Nele schauen umher und listen auf: "Das will ich, und das, und das... Oh, guck mal, die Rutsche, die hatte ich ja ganz vergessen!"
Wir haben viel Zeit, am Himmel ist kein Wölkchen zu sehen. Hansapark, wir kommen!
Die Wildwasserfahrt ist unsere erste Herausforderung. Nele hat es nicht so mit diesem Programmpunkt. "Ich passe auf die Rucksäcke auf", bietet sie großzügig an. Steven kuschelt sich bei der Fahrt hinauf zum Wasserfall in Lisas Schoß und sagt nach einem langen Seufzer: "Mama, das ist wirklich mein Glückstag."
Wir drehen mehrere Runden. Vor der letzten grinst Lisa mich an: "Los jetzt, ich will dich noch mal kreischen hören." Nur wenig angefeuchtet vom Wildwasser machen wir uns auf zum Alten Jahrmarkt. Die traditionellen Karussells stehen bei unseren Kindern ganz hoch im Kurs, wie wir Mütter gerührt feststellen. Schiffschaukel, Kettenkarussell - "einfach geil", finden die Kinder. Kurze Diskussion, dann steht die Sprachregelung: "Cool" lassen wir durchgehen, "geil" nicht. Also schwingen sich die beiden ins "coole" Kettenkarussell, lassen entspannt die Beine baumeln. Auch wir gönnen uns eine erste Verschnaufpause auf der Bank nebenan und halten die blassen Gräten in die Sonne.
Schön aufgewärmt geht es weiter zu zwei Höhepunkten. Vom Barracuda Slide, der welligen Wasserrutsche, und von der Bobbahn "Rio Dorado" können wir alle nicht genug bekommen. Wir entern Schlauchboot um Schlauchboot, stürzen uns immer wieder die Rutsche hinunter. Bei der letzten Fahrt werden wir plötzlich gerammt, eine Welle schwappt ins Boot - genau auf Neles Hose.
Die Bootsbesatzung hinter uns drängelt, setzt sogar zum Überholen an. Ach nee: Ein Paar fröhliche Großeltern mit Enkelkind. Dass die lieben Senioren das Rasen einfach nicht lassen können! Kurz vor dem Ausgang verkeilt sich unser Boot und bleibt sekundenlang unter der Sprühdusche stehen, die die Abfahrer normalerweise nur streift. Uns trifft sie voll, Neles Jeans ist endgültig durch. Die Drängler von gerade eben entschuldigen sich breit grinsend, wir diskutieren das Manöver mit viel Gelächter. Nele steigt derweil in die Ersatzhose. Eine zweite Wäschegarnitur ist für Kinder jeden Alters durchaus ratsam. Wer bei den feuchten Fahrgeschäften nichts abbekommt, schüttet sich entweder das Eis übers Hemd, setzt sich in irgendeinem Boot in eine Pfütze oder duscht mit der mitgebrachten Limonade, wenn sie so richtig schön durchgeschüttelt ist.
Die Mittagspause ist übrigens kurz. Zu mehr als ein paar Pommes, kleinen Würstchen und einem Schluck aus der Wasserpulle reicht es nicht, da können wir Mütter noch so viel Reklame machen.
"Was essen? Ich will nix." "Ich habe auch keinen Hunger." "Na gut, ein paar Pommes vielleicht." "Komm, wir spielen dahinten noch ein bisschen." "Guck mal, Stevie hat ein Holzbein - wie ein richtiger Pirat!"
Richtig, Steven humpelt. Aber das gehört zum Spiel: Extra fürs Verdauungsturnen hat man gleich nebenan ein Piratenschiff im Sandkasten stranden lassen. Immer wieder nehmen Nele und Steven eine Karussell-Auszeit, toben nach eigenen Regeln auf einem der Spielplätze, im Kugelbad oder auf der Hüpfburg. Wir Mütter finden unsere Kinder klasse. Kein Streit, kein Stress, alles wird gemeinsam entschieden. Aber längst nicht alles muss auch gemeinsam gemacht werden. Mal hat der eine Respekt vor einem Fahrgeschäft, mal der andere.
"Das ist doch ganz normal", sagt Nele. "Man muss sich ja nicht alles trauen."
Immerhin traut sie sich in den Rasenden Roland, die Achterbahn für Anfänger und zu alt Gewordene. "Das schockt doch voll", brüllt Nele ins ohrenbetäubende Geratter.
"Klar schockt das", gebe ich mich ganz mutig, überlege aber gerade, warum die Doppelkurve von Fahrt zu Fahrt schlimmer wird. "Oh, my god!", höre ich plötzlich einen spitzen Schrei von vorn. Unverkennbar Lisa. Als Irin fällt sie in Notsituationen ganz selbstverständlich in ihre Muttersprache zurück.
Deutlich ruhiger geht es beim Mini-Scooter, auf dem Indian River und bei der Pony Post zu. Diese Attraktionen in Bonanza City werden von Steven und Nele für sehr gut befunden. Der nebenan in den Himmel ragende kleine Bruder des Power-Towers reizt sie überhaupt nicht. Da lassen sie doch lieber zwei ferngesteuerte Boote über den Teich fahren. Und sieh an, die sind genauso müde wie Nele und Steven, fabrizieren nicht mal eine anständige Bugwelle.
"Die waren ja lahm." "Genau. Da fahren wir doch lieber noch mal Auto-Scooter." "Mama, wo sind denn die ganzen Leute hin?" "Wieso ist da schon die Klappe runter?" "Mensch, die haben dicht gemacht!" "Seht ihr: Wir haben doch gesagt, wir bleiben bis ganz zum Schluss!"
Geöffnet hat der Hansa Park täglich von 9 bis 18 Uhr, die Fahrattraktionen ab 10 Uhr. Besucher bis 14 Jahren zahlen 17 Euro Eintritt, ab 15 Jahren 19 Euro, Gruppen ab 20 Personen pro Person 16 Euro. Kinder unter 4 Jahren und Geburtstagskinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt. So kommen Sie hin: Über die A1, Ausfahrt Neustadt-Süd. Informationen gibt es telefonisch unter 0 45 63 / 47 40 oder im Internet unter https://nordkirmes.net/www.hansapark.de
(Quelle: Lübecker Nachrichten vom 01.07.2003)