Mit der Schwerkraft über Kopf
Das Flic-Flac stammt aus Bremen und steht jetzt zum ersten Mal auf dem Freimarkt
Von unserer Mitarbeiterin
Karen Adamski
Geschmack ist verschieden. „Wie kann man sich das nur freiwillig antun“, sagt eine Freimarktsbesucherin kopfschüttelnd angesichts der hin- und her schleudernden Gondeln. Zugegeben – für empfindliche Mägen ist das Flic-Flac nicht gedacht. Robustere Gemüter aber haben in dem Karussell ganz offensichtlich ihren Spaß.
Das Besondere am Flic-Flac: Es stammt aus Bremen und ist in diesem Jahr zum ersten Mal auf heimischem Boden im Einsatz. Entwickelt und gebaut wurde es in der Maschinenfabrik Huss an der Stresemannstraße.
Das Bremer Unternehmen baut bis zu 25 ganz unterschiedliche Anlagen im Jahr, davon ist allerdings nur ein kleiner Teil – etwa fünf Prozent – für den deutschen Markt bestimmt. Die meisten Fahrgeschäfte landen in Freizeitparks auf der ganzen Welt: „Der Trend geht weg von mobilen Anlagen zu deutlich größeren und höheren Geräten“, sagt Thomas Fuhrmann, Vertriebsleiter bei Huss. Dazu zählt das Flic-Flac nicht – auch wenn das Karussell immerhin mehr als 100 Tonnen wiegt und vier große Lkw nötig sind, um es zu transportieren.
Nicht nur die Fahrgeschäfte der Firma Huss sind in vielen Ländern zu finden. Auch ein Team von Mitarbeitern ist weltweit unterwegs und sammelt Ideen für neue Karussells. „Die werden dann hier vorgestellt, diskutiert und am Computer simuliert“, erzählt Fuhrmann. Gibt es Kunden, die Interesse haben, wird das Karussell gebaut. Bisher geschah das in Bremen, künftig wird die Produktion nach Ungarn verlagert – die Konstruktionsabteilung aber bleibt hier. Neue Fahrgeschäfte entstehen laut Fuhrmann immer in enger Zusammenarbeit mit dem TÜV, bei besonders waghalsigen und rasanten Karussells gibt die Firma zusätzlich fliegerärztliche Gutachten in Auftrag.
Grundsätzlich wird bei Huss Wert darauf gelegt, dass schnelle Bewegungen und Überschläge nicht von Motoren, sondern von der Schwerkraft verursacht werden. „Das ist für den Körper verträglicher“, sagt Fuhrmann. Auch die unregelmäßigen Überschläge der Flic-Flac-Gondeln sind der Schwerkraft geschuldet. Während ein Motor die Arme des Karussells im Kreis dreht, bewegt sie ein zweiter Antrieb auf und ab, so dass die Gondeln hin- und herschaukeln. Durch die daran befestigten Wassertanks wird diese Bewegung verstärkt. „Das Wasser verteilt sich, und rein durch die physikalischen Kräfte überschlagen sich die Gondeln dann“, so Fuhrmann.
Klingt logisch, sieht allerdings Furcht erregend aus. Das Ganze bewegt sich so schnell und unregelmäßig, dass Zartbesaiteten schon vom Zuschauen schwindelig werden kann. „Das ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, beruhigt Schausteller Peter Schrod, der seit einigen Jahren mit dem Flic-Flac unterwegs ist. Freimarktbesucher lassen sich ohnehin nicht so leicht abschrecken: „Das Fahrgeschäft wird gut angenommen“, sagt Schrod. „Abends steht hier alles voll.“
Auch Sabine, 15, und Viola, 14, haben sich freiwillig in die Schleuder gewagt und die Fahrt ohne Probleme überstanden. Mehr noch: „Das kann man weiterempfehlen“, urteilt Viola. „Man wird ganz schön in die Sitze gedrückt“, sagt Sabine. „Ziemlich hoch ist es auch. Aber ich würde es noch mal machen.“ Die Schülerinnen sind keine Ausnahme: Vor allem bei jungen Frauen, hat Peter Schrod erstaunt festgestellt, kommt das Flic-Flac gut an. Seine Tochter überrascht das wenig. Ihr Kommentar: „Frauen können eben was ab.“
(Quelle: Weser-Kurier Online)