Weltweit erste Nachzucht des Hornwehrvogels
Walsrode, September 2017: Es ist wieder einmal eine echte Weltpremiere im Bereich der zoologischen Nachzucht. Und diese schlüpfte in den letzten Tagen gleich als Doppelpack. Im Weltvogelpark Walsrode erblickten Anfang September zwei flauschige Küken des Hornwehrvogels. Dieser sonst in Süd-Amerika beheimatete Entenvogel wirkt mit seinem Fortsatz auf der Stirn übrigens fast wie ein geflügeltes Einhorn. Beide Jungvögel erfreuen sich trotz der nasskalten Witterung bester Gesundheit und sind als Nestflüchter bereits recht aktiv. Obwohl es weltweit noch keinerlei Erfahrung mit der Aufzucht von Hornwehrvögeln gibt, haben die Weltvogelpark-Biologen beschlossen auf die Natur zu vertrauen. Und sich für eine Aufzucht des Vogelgeschwisterpaares durch die Eltern entschieden.
Mit Tausenden Vögeln aus 650 Arten und von allen Kontinenten ist der Weltvogelpark Walsrode der größte Vogelpark der Welt. Neben attraktiven Infotainment-Elementen wie etwa Europas spektakulärster Flugshow steht hinter den Kulissen besonders die Nachzucht bedrohter und seltener Arten im Vordergrund der Weltvogelpark Tierpfleger und -Biologen. Mit den Anfang September geschlüpften Hornwehrvogel-Küken ist nun die weltweit erste Nachzucht dieser großen entenartigen Vögel gelungen. „Dass sich die Hornwehrvögel bei uns im Park trotz des eher mäßigen Sommerwetters fortgepflanzt haben, ist ein Zeichen, wie wohl sich die Tiere bei uns fühlen und eine tolle Bestätigung für das gesamte Team. Wir werden nun die natürliche Aufzucht der beiden Jungtiere genau beobachten und daraus wichtige Erfahrungen für künftige Nachzuchten ziehen“, freut sich Geer Scheres, Geschäftsführer Weltvogelpark Walsrode.
Hornwehrvögel gibt es deutschlandweit nur im Weltvogelpark Walsrode, auch international leben nur wenige Exemplare in Tier- oder Vogelparks. Obwohl sie eher wie große Hühner wirken, gehören sie biologisch zu den Entenvögeln. Die Vögel können selbst bis zu 84 Zentimeter groß werden und haben ausgesprochen kräftige und lange Beine. An den Flügeln befinden sich zwei spitze Sporne, die bei Revierkämpfen und zur Verteidigung gegen Feinde eingesetzt werden. Seinen Namen hat der Hornwehrvogel aber nicht nur wegen dieser Waffen, sondern auch wegen seines lauten Warnrufes, der über mehrere Kilometer weit hörbar ist. Bei Jägern ist er deshalb sehr unbeliebt, da der Ruf auch alle anderen Tiere warnt. Manchmal wird der Hornwehrvogel in seiner Heimat Südamerika auch als eine Art Wachhund gehalten, wie bei uns manchmal die Gänse. Besonders markant ist jedoch nicht nur der Ruf, sondern auch der schmale Federfortsatz auf der Stirn des Hornwehrvogels. Dieser macht ihn zu einem echten Einhorn der Vogelwelt.
Wie alle Jungtiere des Hornwehrvogels ernähren sich auch die beiden Küken im Weltvogelpark hauptsächlich von Insekten und deren Larven. Später werden sie dann auch Samen, Knospen oder Wurzeln fressen. Als typische Nestflüchter wurden die Kleinen übrigens nur noch einige Tage nach dem Schlupf weiter durch die Eltern gehudert – dieser ornithologische Fachbegriff beschreibt das Schützen des Nachwuchs vor Witterungseinflüssen. Die in gelbe Daunenfedern gehüllten Küken folgen direkt nach dem Schlüpfen ihren Eltern und werden nachts von diesen noch gewärmt. Auch wenn die Hornwehrvögel bereits nach rund zwei Monaten flugfähig werden, verbleiben sie bis zu einem Jahr bei ihren Eltern.
Foto: Weltvogelpark Walsrode