Die "Köche" vom Lübecker Herbstmarkt kennen das Rezept für Jahrmarktspaß
Gasthaus Rummel
Der Herbstmarkt ist kein Gourmet-Tempel. Aber die kulinarischen Klassiker machen das Rummel-Menü einfach perfekt.
Von Cosima Künzel
Diese Speisekarte hat kein Restaurant. Als Vorspeise gibt's Mutzen. Zum Hauptgericht Pizza, Bratwurst oder Schaschlik. Und das Dessert ist ein Liebesapfel. Doch auf alle drei Gänge des Herbstmarkt-Menüs hintereinander verzichtet Helmut Wulf (67) lieber. "Ich nehm' besser nur 'ne Bratwurst", sagt er, klopft sich auf den Bauch und greift vor der Bauernstube von Rolf Niehuesbernd zum Teller. Lächelnd taucht er das Gegrillte in den Senf und beißt mit einem Knacken ein großes Stück ab. "Meine Frau isst lieber Crèpes, aber für mich muss es eine Wurst sein", sagt der Mann aus Timmendorfer Strand, "ohne Wurst ist der Herbstmarkt kein Herbstmarkt."
Gegrillt hat das Schmankerl Bärbel Janßen. Die 46-Jährige arbeitet "seit etwa 15 Jahren" auf dem Rummel und meint, dass sich das Angebot gewandelt hat. "Früher gab es in erster Linie Bratwurst, jetzt werden auch Käsespieße, überbackene Baguettes oder Maiskolben geboten." Während die Gäste in Niehuesbernds Imbisshalle die Grillpfanne mit Krautsalat bevorzugen, "muss" Janßen in der Pause was Süßes haben. "Zum Kaffee sind die Apfeltaschen super", sagt sie und zeigt zu dem weißen Wagen der Lübecker Mutzen-Bäckerei hinüber.
Dort steht Heidi Liss (58) schon drei Stunden vor Beginn des Herbstmarktes in der "Backstube" und formt aus einem großen Hefeteig-Klumpen weiche Fladen zu Apfeltaschen. "Jedes Stück ist handgemacht", schwört sie und lässt die Halbmonde in Apfel- und Kirschvariante in das heiße Fett gleiten. Als die ersten Gäste zwischen Buden und Karussells vorbeischlendern, füllt sich der Wagen mit dem Duft nach Mutzen un die "Bäckerin" füllt Tüte um Tüte. Eine davon für André (11) und seine sechsjährige Schwester Lisa-Marie. Die Kleine ist fast so weiß eingepudert wie das Gebäck in ihrer Hand und schwärmt: "Das ist noch besser als Karussell fahren."
(Quelle: Lübecker Nachrichten vom 12.11.2003)