- Offizieller Beitrag
Familienbande auf dem Deutzer Herbst-Volksfest
Alles begann mit Puppenspielen bei den Rittern
Von SEBASTIAN RÖSENER
Köln – Die Musik dröhnt in den Ohren. Die Losverkäufer heizen mit flotten Sprüchen die Besucher an. Crêpes und Pizza duften. Kinder jauchzen auf dem Karussell, Glücksjäger versuchen, Schätze mit dem Greifarm zu fangen. Das Geschäft auf der Deutzer Kirmes brummt.
Und alle Einnahmen fließen in eine Tasche: All diese Attraktionen gehören einer Kölner Schaustellerfamilie.
Und deren Familienoberhaupt ist kein Geringerer als Rudolf von der Gathen, Chef des Deutzer Herbst-Volksfestes. „Fast alle meine Verwandten sind Schausteller und touren mit ihren Geschäften durch ganz Deutschland“, sagt er.
Trotz des gleichen Berufes ist ein Aufeinandertreffen auf ein- und demselben Platz für die Kirmes-Familie nur selten möglich: „Die Ausschreibungen und der Termindruck verhindert es meistens.“
Deshalb freut sich der 58-Jährige besonders über die Deutzer Kirmes. Denn dort kann der Kirmes-Clan noch bis zum 7. November ein richtiges Familientreffen feiern: „Mein Bruder verkauft hier Crêpes, mein Sohn hat ein Automatengeschäft, meine Töchter eine Losbude und ein Fahrgeschäft und mein Cousin betreibt eine Pizzabude!“
Doch so lustig die Kirmes für die Besucher ist, so anstrengend ist sie für die Betreiber: „Von Ostern bis November leben wir im Wohnwagen. Immer auf Achse. 25 Volksfeste besuchen wir im Jahr“, erzählt der Kirmes-Chef: „Man muss in den Beruf geboren werden, um das durchzustehen.“
Für „König Rudolf“, der seinen festen Wohnsitz in Porz hat, kein Problem: „Unsere Schaustellerdynastie begann schon in der Ritterzeit – damals als Puppenspieler an den Höfen.“
Und urkölsch ist der Kirmes-Clan auch, berichtet von der Gathen stolz: „Meine Ur-Ur-Großmutter Frederieke hatte das erste fahrende Hänneschen-Theater. Erst sie machte das beliebte Kölner Puppenspiel in ganz Deutschland bekannt!“