Champions League: Nach dem Remis gegen Mailand folgt nun das "Endspiel" in Valencia.
Von Christian Pletz
Bremen - Als B-Team war das Star-Ensemble von Inter Mailand angekündigt worden, weil die Mannschaft schon vor dem vorletzten Gruppenspiel bei Werder Bremen den Einzug ins Achtelfinale geschafft hatte. Doch angesichts solcher Namen wie Edgar Davids, Andy van der Meyde oder Christian Vieri war das Team von Trainer Roberto Mancini noch allemal äußerst namhaft besetzt.
Dennoch gingen die Bremer selbstbewußt in die Partie vor 37 000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion und kontrollierten das Spiel fast nach Belieben. Allein, es fehlte der entscheidende Kick im Abschluß. Vor allem Torjäger Ivan Klasnic ließ diesmal seine gefürchteten Vollstreckerqualitäten schmerzlich vermissen. An ihm lief das Geschehen praktisch vorbei.
In der dritten Minute hatte er von links kommend noch selbst für den vor dem Mailänder Gehäuse lauernden Miroslav Klose aufgelegt, der aber verzog. Ebenso wie in der 22. Minute, als ihn der Franzose Johan Micoud eine Maßflanke auf den Kopf servierte. Die größte Chance vergab dann aber in der 28. Minute Klasnic, der eine von Klose verlängerte Micoud-Flanke nicht richtig erwischte, was Inter-Keeper Toldo offenbar mehr verwirrte, als Klasnic Schuß selbst.
Die Mailänder wagten sich ihrerseits nur sehr zaghaft in die Offensive, hätten allerdings bei einem schnellen Konter bereits nach sechs Minuten in Führung gehen können. Christian Vieri rutschte freistehend in guter Schußposition aus und vergab diese erste Möglichkeit. In der 26. Minute unterband dann Bremens Innenverteidiger Valerien Ismael im letzten Moment eine gute Torkombination der Gäste.
Erst in der Schlußphase der ersten Halbzeit wagte sich der Tabellensiebte der Serie A öfter nach vorne, immer wieder jedoch liefen die Inter-Spieler ins Abseits. Bezeichnenderweise erarbeiteten sie sich bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Gilles Veissiere nicht einen einzigen Eckball.
Nach seiner dürftigen Vorstellung in der ersten Hälfte mußte Werder-Torjäger Klasnic zum Beginn der zweiten Halbzeit fast folgerichtig Valdez das Feld überlassen. Keine vier Minuten nach Wiederbeginn kamen die Gastgeber dann überraschend zur 1:0-Führung. Der Eckball von Johan Micoud war noch in der Luft, als Referee Veissiere schon entschlossen zum Elfmeterpunkt schritt. Cruz hatte im Strafraum Magnin umgerissen - Strafstoß. Den verwandelte Ismael sicher unten rechts, obwohl Toldo die Ecke geahnt hatte.
Ein Aufschrei der Erleichterung ging durchs Stadion, hatten die Zuschauer doch gespürt, daß es bei ihren Lieblingen unter auf dem Rasen bis dahin keineswegs lief, wie gewohnt. Die dunkle Vorahnung sollte sich nur sechs Minuten später bestätigen. Stankovic zirkelte einen tollen Heber an die Latte, den zurückspringenden Ball beförderte der erst drei Minuten zuvor eingewechselte Martins unbedrängt mit dem Kopf ins Tor. Da war Werder-Keeper Andreas Reinke machtlos.
Im weiteren Verlauf neutralisierten sich beide Teams weitestgehend, so daß es bis zum Abpfiff beim 1:1 blieb. Während den ohnehin schon qualifizierten Remis-Königen aus Mailand - es war ihr 13. Unentschieden im 16 Pflichtspiel - der eine Punkt voll und ganz genügte, stehen die Bremer nun am 7. Dezember vor einer schweren Abschlußprüfung beim FC Valencia, der beim weiterhin punktlosen RSC Anderlecht mit 2:1 gewonnen hat.
"Das wird nun ein echtes Endspiel", sagte Nationalspieler Fabian Ernst, der einmal mehr zu den besten Aktteuren beim Gastgeber zählte. "Uns reicht zwar ein Remis, doch verlieren dürfen wir in Valencia nicht. Die Mailänder haben stark hinten drin gestanden, sonst wäre schon heute mehr möglich gewesen. Doch wir haben es ja zum Glück selbst in der Hand."
erschienen am 25. November 2004 in Sport