PETER AMENDA
Ganz legaler Bauwagenplatz Brennerhof, Heimat der Schausteller
Das Kinderkarussel ist eingemottet, die Losbude verrammelt und die Achterbahn verpackt. Der Brennerhof in Billbrook ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich: Hier stehen nicht nur Jahrmarkt-Utensilien. Obwohl in Hamburg das Leben im Wohnwagen verboten ist, leben hier 49 Schaustellerfamilien inklusive Wohnwagen mit offizieller Genehmigung des Senats.
Es ist 9 Uhr. Der Lärm der benachbarten Autobahn stört die morgendliche Idylle. Plötzlich ruft eine Frauenstimme: "Walter, schnell, wir müssen den Müll noch rausstellen." Die Wohnwagentür springt auf. Mit der Kaffeetasse in der Hand stürmt Marion Winter zum Abfalleimer. Ehemann Walter hinterher. Es ist Donnerstag - da kommt die Müllabfuhr um kurz nach neun. Alltag auf dem Brennerhof. Jede Schaustellerfamilie zahlt 50 Cent Miete pro Quadratmeter. Wasser und Strom gehen extra. Die Winters haben 350 Quadratmeter. Da stehen ihr Wohnwagen, die Losbude ("Rotes Herz - freie Auswahl") und die ganzen Gewinne drauf.
"Wir haben hier aber keine Narrenfreiheit. Die Behörden schauen uns penibel auf die Finger", erklärt Marion Winter. "Ach, dieser ganze Kram", murrt Ehemann Walter, "auch wenn die uns mal den Platz räumen wollen, wir gehen hier nicht mehr weg."
Sorgen bereitet ihm auch die Bauwagendiskussion nicht. "Das macht die Erfahrung", grinst der 50-Jährige. Vor sechs Jahren wollte der Senat die Schausteller schon einmal von einem Platz in Entenwerder vertreiben. Wegen eines Hotelneubaus. Winter: "Aber Pustekuchen - wir haben uns so lange gewehrt, bis wir den Brennerhof als Heimat hatten. Erst dann sind wir freiwillig gegangen."