- Offizieller Beitrag
Der neue Eigentümer Continental AG hat es offenbar sehr eilig mit dem beim Autozulieferer Phoenix in Harburg angedrohten Abbau von mindestens 700 der noch 2700 Arbeitsplätze. Unglaublich, aber wahr: Der Geschäftsführer ließ bei dem auf die Herstellung von Krümmern (Kühlwasser- und Ansaugschläuche für Autos) spezialisierten Zweigbetrieb Automotive GmbH in der Seehafenstraße eine der drei Produktionslinien demontieren - und zog damit einem großen Teil der 363 Beschäftigten praktisch den Arbeitsplatz unterm Hintern weg.
Solche Wildwest-Methoden verbietet aber das Betriebsverfassungsgesetz. Die Verpflichtung des Arbeitgebers: Bei solchen "wesentlichen" (also mehr als zehn Prozent einer Belegschaft betreffenden) Produktionsänderungen muss der Betriebsrat vorab informiert werden. Arbeitgeber und Betriebsrat sollen über die Konsequenzen beraten und nach Möglichkeit auf einen Interessenausgleich für die betroffenen Arbeitnehmer suchen.
Konsequenz: Das Arbeitsgericht Hamburg stoppte den Deal per einstweiliger Verfügung unter Androhung eines Ordnungsgeldes "bis zu 250000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft" für den Automotive-Chef. Die Maschinen waren bereits in Kisten verpackt, standen zum Abtransport in eine Phoenix-Krümmerfabrik in Spanien bereit.
Betriebsrats-Anwalt Jens Peter Hjort: "Ich hoffe, dass es sich bei der Brachial-Methode des Geschäftsführers nur um einen individuellen Akt vorauseilenden Gehorsams gegenüber der Konzernspitze handelte. Hoffentlich kommt er zur Vernunft." Eine Stellungsnahme aus der Konzernführung war nicht zu erhalten.
Quelle: http://www.mopo.de