Formel 1: Der Bruder des Weltmeisters warnt nach seinem Wechsel zu Toyota vor zu großen Erwartungen.
Von Jens Marx
Ralf Schumacher wechselte zu Toyota: „Ein junges Team. Es wird Zeit brauchen.“ Foto: DPA
Köln - Sein großes Ziel WM-Titel wird zu einer Geduldsprobe für Ralf Schumacher. Nach seinem Wechsel von Williams-BMW zu Toyota warnt der Formel-1-Pilot aus Kerpen vor zu hohen Erwartungen. "In erster Linie hofft man, daß es sehr schnell geht, aber man muß auch realistisch bleiben. Ich habe in sechs Jahren lernen müssen, wie es ist, wenn man sich viel vornimmt und dann doch an der Realität eigentlich scheitert", sagt Ralf Schumacher.
Sein Bruder Michael, siebenfacher Weltmeister, habe bei Ferrari fünf, sechs Jahre gebraucht, um den erhofften Erfolg zu erzielen. Er gehe von einem Drei- bis Fünf-Jahres-Plan aus, sagt Ralf Schumacher: "2005 sollte unser Ziel auf jeden Fall sein, Mitte der Saison um den einen oder anderen Podiumsplatz mitzufahren."
Bislang holte der 2002 in die "Königsklasse" eingestiegene Rennstall Toyota lediglich 27 Punkte aus 51 Rennen. Die acht Zähler in der vergangenen Saison waren ein herber Rückschlag für den Etat-Krösus. "Grundsätzlich war das Auto im letzten Jahr nicht so gut. Das zu ändern ist das Hauptthema für das nächste Jahr, ganz klar", betont der 29 Jahre alte Rheinländer.
Trotz seines erst am 31. Dezember endenden Williams-Vertrages nach sechsjähriger Zusammenarbeit konnte Schumacher bereits erste Tests mit Toyota absolvieren. Sein Eindruck ist gut: "Natürlich gibt es noch viele Dinge, die gemacht werden müssen. Im großen und ganzen bin ich aber sehr positiv überrascht von der kompletten Truppe." Toyota sei ein Team, in dem er aktiv mitarbeiten und Dinge gestalten könne. "Das war natürlich auch die Herausforderung für mich", unterstreicht er. Sein Kontrakt läuft bis 2007. Bruder Michael könnte dann seinen zehnten WM-Titel geholt haben . . .
Können die erneuten Regeländerungen - der Motor muß zwei Rennen halten und die nun deutlich härteren Reifen von Sonnabend an - den erfolgreichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte bremsen? "Im Moment hat Ferrari so eine Überlegenheit, die muß man erstmal knacken", räumt Ralf Schumacher ein. Die Neuerungen stelle jedes Team vor große Herausforderungen. Alle müßten versuchen, wieder etwas aufzuholen. "Auch Ferrari wird sich schwer tun, wieder so ein gutes Auto zu bauen wie in dieser Saison", prognostizierte der Wahl- Österreicher. Dennoch hält der sechsmalige Grand-Prix-Sieger Ferrari und McLaren-Mercedes für die beiden Top-Teams in der kommenden Saison, in der erstmals 19 WM-Läufe gefahren werden.
Das zweite Cockpit bei Toyota hat Jarno Trulli, der 2004 bei Renault mit exzellenten Plazierungen für Furore sorgte. Der Italiener sei ein sehr angenehmer, aber auch verdammt schneller Teamkollege. Da dürfte der erste Sieg für Toyota, das Chassis und Motor in Köln-Mahrsdorf fertigt, doch eigentlich nicht so fern sein. "Daran mag ich im Moment noch gar nicht denken. Man muß schon ehrlich sagen, daß man einfach mehr Geduld mitbringen muß", stellt Ralf Schumacher klar. (dpa)