- Offizieller Beitrag
Montag, 27 Dezember 2004
Flutkatastrophe in Südostasien
Mehr als 11 000 Todesopfer durch schweres Erdbeben und Riesen-Wellen / 8000 deutsche Urlauber in der Region
Colombo - Das schwerste Erdbeben seit 40 Jahren hat im Indischen Ozean gigantische Flutwellen ausgelöst, von denen mehr als 11 000 Menschen in den Tod gerissen wurden. Etwa zehn Länder in Süd- und Südostasien waren von der Naturkatastrophe am Sonntag betroffen. Neben Toten gab es Tausende Verletzte und Millionen Obdachlose. Von den Wassermassen wurden auch viele Touristenzentren verwüstet. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist eine Hauptreisezeit in Südostasien. Nach Angaben der großen Reiseveranstalter halten sich mehr als 8000 deutsche Urlauber in der Region auf. Informationen über Verletzte oder Tote unter ihnen lagen bis zum späten Sonntagabend nicht vor. Das Auswärtige Amt richtete Krisenstäbe in Berlin und an den betroffenen Botschaften ein. TUI, Thomas Cook und Rewe Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg) sagten alle für die nächsten Tage geplanten Flüge in die besonders betroffenen Gebiete auf den Malediven, in Sri Lanka und auf Thailand ab. Leere Maschinen sollen in die Region geschickt werden, um Urlaubern die Ausreise zu ermöglichen. Nach Angaben eines TUI-Sprechers blieben die TUI-Urlauber auf den Malediven und Sri Lanka unverletzt. Aus Thailand gab es keine Angaben.
Das erste Beben unter dem Meeresboden vor Sumatra hatte um 7.59 Uhr Ortszeit (1.59 Uhr MEZ) nach seismologischen Messungen eine Stärke von 8,9 und war damit das gewaltigste seit 1964 sowie das fünftschwerste seit 1900. Nach einer zweiten Erschütterung der Stärke 7,3 nahe den indischen Andamanen- und Nikobaren-Inseln weitete sich die Katastrophe bis nach Sri Lanka, Südindien und die Malediven aus. Neben diesen Ländern meldeten auch Indonesien, Malaysia, Thailand, Bangladesch und Burma Todesopfer. Sogar im ostafrikanischen Somalia und in Kenia forderte die Flut Opfer. Die Hauptinsel der Malediven, Male, stand zu zwei Dritteln unter Wasser. Vielerorts wurden Menschen von den haushohen Flutwellen ins Meer gespült.
Das verheerende Erdbeben in Sumatra gehört nach Einschätzung des Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) zu den seltenen stärksten Beben. "Das ist wahrscheinlich eines der größten Beben, die auf der Erde registriert worden sind", sagte der GFZ-Seismologe Rainer Kind. Allein auf Sri Lanka starben rund 3500 Menschen und in Indien mindestens 3000. An den Stränden wurden Hunderte Leichen angeschwemmt. Auf Sumatra wurde mit etwa 1900 Todesopfern gerechnet. In Indonesien verloren insgesamt mehr als 4400 Menschen ihr Leben. In Thailand brach die Flutwelle über einige der schönsten und beliebtesten Ferienorte herein, wo Tausende Ausländer ihren Urlaub verbrachten. Etwa 300 Menschen kamen nach Angaben der Regierung ums Leben. Malaysia meldete mehr als 40 Tote, darunter auch ausländische Touristen.
Mit Bestürzung und spontanen Hilfsangeboten haben Politiker und Hilfsorganisationen aus aller Welt auf die Katastrophe reagiert. Die Bundesregierung stellt eine Million Euro als Soforthilfe zur Verfügung. "Ich darf Ihnen versichern, daß Deutschland den leidgeprüften Menschen in dieser schweren Zeit zur Seite steht", schrieb Bundeskanzler Gerhard Schröder an die Regierungschefs der betroffenen Länder. Auch Bundespräsident Horst Köhler übermittelte seine Anteilnahme. Ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks brach in die Region auf. Die Deutsche Welthungerhilfe begann nach eigenen Angaben bereits mit der Verteilung erster Hilfsgüter. Die EU stellte drei Millionen Euro Soforthilfe bereit.
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