Countdown: Fünf Tage vor dem Duell mit FC Bayern: ordentliches Spiel gegen Werder.
Von Dieter Matz
Kropp - Mitunter lief es so, wie sich der Rasenplatz in Kropp präsentierte: holprig. Beide Tore wurden Werder von der HSV-Abwehr auf dem Tablett serviert, zu Beginn der Partie und gegen Ende der ersten Halbzeit waren die Bremer ein wenig besser als die Hamburger, aber dennoch war HSV-Coach Thomas Doll zufrieden: "Das war ein ordentliches Spiel und ein sehr gelungener Test. Obwohl es streckenweise sicherlich nicht der Fußball war, den man in der Bundesliga sieht. Es waren schon Höhen und Tiefen drin. Auf alle Fälle aber habe ich Schlüsse aus den 90 Minuten gezogen, ich weiß jetzt, wo wir stehen."
Doll wollte die Generalprobe eigentlich dazu benutzen, seine Elf für München zu testen, aber daraus wurde nichts. Khalid Boulahrouz fehlte ebenso wie Almami Moreira und Emile Mpenza. Doch nicht nur deswegen überraschte der HSV-Trainer mit seiner Aufstellung: Die Sorgenkinder der Hinserie, Mehdi Mahdavikia und Christian Rahn, waren trotz personeller Engpässe nicht in der Startformation zu finden.
Auch Björn Schlicke saß zunächst nur auf der Ersatzbank, für ihn erhielt Miso Brecko den Vorzug auf der rechten Seite der Viererkette. Und im linken Mittelfeld, in dem der Gelb-gesperrte Stefan Beinlich in München fehlen wird, spielte erstmals David Jarolim. Die Position des Tschechen hatte Collin Benjamin übernommen.
Pluspunkte der Generalprobe:
1. Zweimal geriet der HSV in Rückstand, doch zweimal zeigte das Team Moral und kam zurück.
2. Die Ordnung, die im Trainingslager in La Manga beim 1:4 gegen Basel verlorengegangen war, stimmte wieder.
3. Mit Piotr Trochowski, in der ersten Halbzeit der beste Mann, hat der HSV einen überragenden Dribbelkünstler hinzugewonnen. Eine solchen Techniker hatte der HSV seit den Zeiten des Spielers Doll nicht mehr in seinen Reihen.
4. Als Sergej Barbarez nach 20 Minuten zu seinem Spiel gefunden hatte, wurde der HSV endlich gefährlich. Barbarez machte sicher nicht viel, aber das, was er machte, war sehenswert, vieles hatte Hand und Fuß.
Minuspunkte des Tests:
1. Ohne Boulahrouz wirkte die Abwehr oft anfällig, sie war zu leicht zu überlaufen. Allein Daniel van Buyten behielt stets den Überblick - zum Glück.
2. Zwei solche Anfängerfehler, wie sie sich René Klingbeil und Martin Pieckenhagen bei den (geschenkten) Gegentoren leisteten, dürfen in München nicht passieren, sonst wird es ganz bitter.
3. Für den letzten Test war der Platz in Kropp zu schlecht. "Eine Katastrophe - so viele Löcher", stöhnte van Buyten, der sich eine leichte Verhärtung der Adduktoren zugezogen hat und zur Pause ausgewechselt wurde.
Schlußwort Thomas Doll: "Ich habe auf jeden Fall großes Vertrauen in die Mannschaft."
erschienen am 17. Januar 2005 in Sport