Internet-Auktion in der Kritik. Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt. Wie man sich gegen Abzocker wehren kann.
Von Mathias Eberenz
Hamburg - "Nagelneue" Handys zum Spottpreis, Digitalkameras 30 Prozent günstiger als im Geschäft, DVD-Player für die Hälfte. Im Internet-Auktionshaus Ebay, dem größten Marktplatz der Welt, sind derartige Angebote keine Seltenheit. Offenbar problemlos finden die Anbieter einen Käufer. Und die überweisen auch prompt. Doch immer öfter kommt die ersteigerte und bezahlte Ware nicht an, werden die Käufer betrogen.
"Die Internet-Kriminalität nimmt zu. Wir bearbeiten schon jede Woche mehrere Betrugsfälle im Zusammenhang mit Ebay", sagt Rüdiger Bagger, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, dem Abendblatt. "Typischerweise bieten die Verkäufer dabei Ware an, die sie gar nicht haben, etwa Computer, Digitalkameras oder teure Uhren. Die Käufer leisten dann Vorkasse, bekommen die Ware aber nie zu sehen", so der Oberstaatsanwalt.
Insgesamt, so Bagger, sei die Hemmschwelle für Betrügereien gering: "Die Verkäufer müssen mit dem Käufer ja kein persönliches Verkaufsgespräch führen." Immer wieder werde auch gestohlene Ware angeboten und verkauft. Und selbst wenn sie dann geliefert wird: "Leidtragender ist der Käufer, weil man an gestohlener Ware kein Eigentum erwerben kann", sagt Bagger.
Mit Skepsis beobachten auch die Verbraucherschützer das Treiben bei Ebay. Als "fragwürdig" bezeichnet Hans Fluhme, Telekommunikationsexperte bei der Verbraucher-Zentrale Hamburg, das Verhalten von Ebay im Zusammenhang mit den Betrugsversuchen. Sein Vorwurf: "Die Plattform ist so konstruiert, daß die Verbraucherschutzvorschriften unterlaufen werden können." Beispiel Umtauschrecht. Gewerbliche Anbieter müssen ihren Kunden laut Fernabsatzgesetz ein zweiwöchiges Umtauschrecht einräumen. Doch oft geben sich die Händler nicht als solche zu erkennen. Das Problem für die Käufer: "Wenn es zu Streitigkeiten kommt, sind sie es, die nachweisen müssen, daß der Anbieter ein Unternehmer ist. Aber das ist leider sehr schwer", sagt Verbraucherschützer Fluhme.
Und wie reagiert Ebay auf die zunehmenden Betrugsversuche? "Wir haben ein Team von mehr als 100 Sicherheitsspezialisten im Einsatz", sagt Unternehmenssprecherin Meike Fuest dem Abendblatt. Man achte auf unzulässige Angebote, gehe Nutzerhinweisen nach. "Wenn nötig, fordern wir von den Anbietern Eigentumsnachweise oder sperren die Angebote aus. "Außerdem setzen wir eine Software ein, die die Angebote rund um die Uhr nach auffälligen Konstellationen durchsucht", so Fuest. Insgesamt bewegten sich die Problemfälle daher "im Promillebereich" und seien "prozentual rückläufig".
Dennoch: Absolut gesehen steigt die Zahl der Geschädigten. Und das ist auch kein Wunder, bei einem Mitgliederwachstum bei Ebay Deutschland 2004 um fast 40 Prozent auf 15,7 Millionen. Insgesamt wurden dabei Waren im Wert von 7,6 Milliarden Dollar versteigert und verkauft. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor lag das Handelsvolumen bei 300 Millionen Dollar. Und noch ein paar Kennzahlen: Alle 25 Sekunden wird auf dem deutschen Ebay-Marktplatz eine Uhr verkauft, alle zwei Minuten ein Notebook und alle drei Minuten ein Auto. Sogar Traktoren werden gehandelt - 40 Stück am Tag. Doch gerade Ebay-Anfänger, die sich vom Werbeslogan "Drei, zwei, eins. . . meins!" verführen lassen, sollten zunächst auf Nummer Sicher gehen. Hier die wichtigsten Tips, wie man sich vor Betrügern schützt:
Artikelbeschreibung gründlich lesen. Vorsicht bei Bezeichnungen wie "im Cartier-Stil" oder Turnschuhe "wie von Nike". Dahinter steckt keine Originalware.
Wie viele positive Bewertungen hat er? Vorsicht, wenn sie unter 90 Prozent liegt, oder der Anbieter vorher 20mal billigen Kleinkram verkauft hat und plötzlich teure Videokameras anbietet. Ein guter Verkäufer antwortet gerne auf Fragen, erläutert Details.
Hier wird der Kaufpreis auf einem Treuhandkonto "geparkt". Erst wenn der Käufer den Eingang der Ware meldet, wird die Summe an den Verkäufer überwiesen. Sinnvoll bei Beträgen ab 200 Euro. Gebühr: ein Prozent bis 1000 Euro, danach günstiger. Beide Seiten können sich vorher einigen, wer die Kosten trägt. Wenn der Verkäufer den Treuhandservice ablehnt - Vorsicht!
Bei echten Betrugsfällen - Ware nachweislich bezahlt, aber nicht angekommen - , zahlt Ebay auf Antrag bis zu 200 Euro (25 Euro Selbstbeteiligung); wenn der Verkäufer das PayPal-Siegel hat (wichtigstes Kriterium: mehr als 98 Prozent gute Bewertungen), sogar bis zu 400 Euro