Es ist wie mit einem Teddy, der in der Ecke liegt, weil niemand mehr mit ihm spielen will: Den Hamburger Dom mögen viele Menschen, aber nicht mehr so sehr, daß sie auch ihr Geld dort lassen. Besucherzahlen und Umsätze stagnieren, Schausteller kämpfen mit steigenden Kosten. "Es reicht nicht mehr zu sagen: Der Rummel ist aufgebaut", weiß Max Eberhard, Präsident des Hamburger Schaustellerverbands. "Wir müssen den Besuchern besondere Aktionen bieten." Mit dem Motto "höher, schneller, weiter" seien die Betreiber der Fahrgeschäfte jedoch an ihre Grenzen gelangt. Für die neue Saison haben Hamburger Schausteller eine Werbeagentur eingeschaltet. "Neu verliebt in den Dom", lautet das Motto einer Image-Kampagne. Die drei traditionsreichen Jahrmärkte heißen künftig "love world", "beach world" und "ice world".
Daß dieses Konzept greift, bezweifelt Kay Tangermann, Autor und Chef einer Werbeagentur in Hamburg und München. "Was sollen diese englischen Namen?" fragt er. "Was hat denn eine Strand-Welt mit dem Hamburger Dom zu tun?" Außerdem habe sich diese Veranstaltung in Jahrzehnten etabliert. "Beim Münchener Oktoberfest käme auch niemand auf die Idee, es umzubenennen, und dann noch auf Englisch." Tangermann glaubt nicht daran, daß sich das "Vergnügen des kleinen Mannes" im englischen Mäntelchen besser verkauft als bisher. "Das kommt mir alles so verkrampft vor." In Wirklichkeit bleibe alles beim alten. Die neuen Namen seien nur Etiketten. Von einer Kampagne könne keine Rede sein, meint der Kommunikationsfachmann. Vielmehr müßten sich die Organisatoren überlegen, wie sie die Leute dazu bringen könnten, mehr Geld auf dem Markt auszugeben. "Ob sich da jetzt ein paar Leute an die Hand fassen oder ein Lied dichten - mit solchem Schnickschnack klappt das bestimmt nicht." sim