Autobahn 20: Straßenplaner erläutern die zeitaufwendigen Untersuchungen für das Großprojekt.
Von Manfred Augener
Osterhorn/Glückstadt - Er habe wohlwollend zur Kenntnis genommen, so Rainer Bruns, daß der Wille im Verkehrsministerium an einer schnellen Verwirklichung der Autobahn 20 da sei. Die langen Planungsräume finde er aber weiterhin "befremdlich", so der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westküste bei einer Veranstaltung des Förderkreises feste Unterelbquerung in Itzehoe. Bruns hofft auf die neue Landesregierung, "die dem Bau der A 20 jetzt höchste Priorität" beimesse.
Vertreter der Verkehrsministerien in Kiel und Hannover standen den Gästen im Innovationszentrum Rede und Antwort, konnten dennoch keine Wunder versprechen. Eine Beschleunigung derartiger Großverfahren stößt an Grenzen, wie Planer Werner Pfeiffer aus Hannover erläuterte. So untersucht Niedersachsen für seine Küstenautobahn A 22, die an die Elbquerung anschließen soll, mehrere Korridoren. Das sei unerläßlich, um jeden Formfehler, gerade in sensiblen Umwelträumen, zu vermeiden, so Pfeiffer.
Ähnlich war vor Jahren die Kieler Landesregierung vorgegangen, als sie aus Gründen der Rechtssicherheit im Unterelberaum mehrere Korridore für eine Elbquerung prüfte. Wirtschaftsminister Rohwer mußte sich damals den Vorwurf der Verzögerung gefallen lassen.
Daß die Straßenplaner im Kieler Verkehrsministerium ihre Hausaufgaben gemacht haben, machte Ministerialdirigent Wolfgang Zeichner deutlich. Von Lübeck bis Geschendorf sei die A 20 bereits im Bau, die Linienbestimmung im Rest des Landes soll Mitte des Jahres abgeschlossen sein, parallel werden Bauarbeiten an der Elbe vorbereitet. Im Optimalfall könne 2008 an der B 431 zwischen Glückstadt und Elmshorn mit dem Bau eines Teilabschnitts bis zur A 23 begonnen werden - wenn keine Klagen kommen. Das Klagerecht der Umweltverbände sei stark, "aber wir haben bisher gesiegt, wo wir siegen mußten", sagte Zeichner.
Klar ist der Standort der etwa sechs Kilometer langen Elbquerung bei Glückstadt zwischen Bielenberg und Kollmar, wo bereits Bodenprüfungen stattfanden. Wann dort der erste Spatenstich erfolgt, steht in den Sternen. Angepeilt wird das Jahr 2010. Die bislang genannten und privat zu finanzierenden Kosten von rund 400 Millionen Euro für den Tunnel seien wohl nicht zu halten, so Zeichner. Nach Tunnelunglücken seien die Sicherheitsanforderungen gestiegen, mit Standstreifen, Nothaltebuchten und moderner Technik sei eher von 600 Millionen Euro auszugehen.
Erst spät hatte sich Hannover vom "Krause-Bogen", dem Anschluß der A 20 an die A 1 verabschiedet und die Küstenautobahn A 22 über den Wesertunnel Richtung Ruhrgebiet und Holland favorisiert. Bis das gesamte Projekt A 20/A 22 komplett fertiggestellt ist, dürften 10 bis 15 Jahre vergehen - wenn denn ein Investor für den Elbtunnel gefunden wird. Geworben wird sogar im Ausland. Falls ohne Erfolg, endet die A 20 an der Bundesstraße 431, 1000 Meter entfernt vom Elbufer . . .
erschienen am 27. April 2005 in Pinneberg