- Offizieller Beitrag
Im Westerndorf geht das Licht aus
Plänterwald: Trafostation im Spreepark wird abgeschaltet
Von Sabine Flatau
Bald gehen im Spreepark die letzten Lichter aus. Im Juli soll die 30-Kilovolt-Trafostation abgeschaltet werden, die das Gelände mit Strom versorgt. Eine Schreckensvision für Rolf Deichsel, den Besitzer des Westerndorfs mitten im Spreepark. Denn dann sind auch sein Haus und die Wohnräume der anderen Familien ohne Strom. Noch leben nach Auskunft von Deichsel 23 Menschen im Westerndorf.
"Es würde eine sechsstellige Summe kosten, um die Trafostation zu sanieren", sagt Holger Lippmann, Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds, der das landeseigene Grundstück verwaltet. "Wir werden das nicht tun." Der Fonds habe Deichsel rechtzeitig informiert. Doch Rolf Deichsel sieht die Stromabschaltung als Nötigung. "Wir lassen uns nicht vertreiben." Er will das Gelände nur gegen eine Abfindung räumen und verhandelt darüber seit Monaten mit dem Insolvenzverwalter. Bisher gibt es keine Einigung. Deichsel lebt seit 1976 im Spreepark. Nach der Wende baute er auf 7000 Quadratmetern das Westerndorf auf.
Als Termin zur Stromabschaltung sei mit dem Liegenschaftsfonds der 11. Juli vereinbart, sagt Bewag-Sprecherin Barbara Meifert. Ihr Unternehmen habe angeboten, die wartungsintensive 30-Kilovolt-Station durch eine 10-Kilovolt-Station zu ersetzen, von der aus Hausanschlüsse zu den Bewohnern gelegt werden könnten. Darauf sei der Fonds nicht eingegangen. "Er hat im April darum gebeten, daß die Trafostation abgeschaltet und vom Netz genommen wird." Der Fonds habe keinen weiteren Stromanschluß für das Gelände gewollt. Es sei Sache des künftigen Investors, eine neue Netzstation zu bauen, meint Lippmann.
Aber Spreepark-Bewerber Tivoli International scheint derzeit keine Initiative zu ergreifen, obwohl der Firma seit Anfang 2004 der Entwurf eines Kaufvertrags vorliegt. Auf der gestrigen Sitzung der Unternehmensleitung sei keine Entscheidung zum Spreepark getroffen worden, sagt Tivoli-Sprecherin Stine Lolk. "Wir sagen das Projekt nicht ab, treiben es aber auch nicht voran." Einer der Gründe sei die schlechte Lage der deutschen Wirtschaft. Doch in Berlin setzt man weiterhin auf das dänische Unternehmen. "Wir halten am Konzept mit dem Investor fest", sagt Holger Lippmann. Das Projekt brauche Zeit. Die PDS-Abgeordnete Jutta Matuschek plädiert unterdessen dafür, nicht länger auf Tivoli zu warten. "Man sollte Sondierungsgespräche mit den anderen Bewerbern führen oder das Gelände renaturieren."
Insolvenz
Seit Herbst 2001 ist der Spreepark geschlossen. Die letzte Betreibergesellschaft unter Familie Witte hinterließ 15 Millionen Euro Schulden. Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank. Das landeseigene Areal im Plänterwald ist mit einer Grundschuld von 10 Millionen Euro im Erbbaupachtvertrag belastet.
Bewerber
Für das etwa 21 Hektar große Grundstück gab es eine Reihe von Interessenten, darunter die französische Firma Grévin et cie., die 13 Freizeitparks in Europa betreibt, und das englische Unternehmen Prime Resorts Limited. Auch Westerndorf-Betreiber Rolf Deichsel hatte sich beworben. Berlins früherer Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) unterstützte die Bemühungen von Tivoli. Seit dem Frühjahr 2004 verhandelt der Liegenschaftsfonds nur noch mit der dänischen Firma.
Quelle: Berliner Morgenpost
Anmerkung:
Also mir ist es absolut unverständlich, wie man so unflexibel sein kann! Unbegreiflich. frek)