Kieler Nachrichten vom 16.07.2005
Wie viele Feste verträgt Kiel?
Auf dem Kieler Veranstaltungskalender wird es immer enger. Matjes- und Piratentage, Festivals der Marktschreier, der Biere, für Kinder, Kieler Woche, Hafenfest, Jahrmärkte im Frühjahr, Sommer und Herbst. Solche Fülle schafft einerseits große Vielfalt des Feierangebots, andererseits aber auch Probleme.
So klagten die Sommermarkt-Schausteller über rückläufige Umsätze und Besucherzahlen, sinkende Bereitschaft für Unterhaltung Geld auszugeben. Im kommenden Jahr könnte das Termingedränge noch viel größer werden. Denn zur Fußball Weltmeisterschaft oder aus Anlass der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit stehen weitere Veranstalter schon in den Startlöchern. Kiel-Marketing führt zwar eine Liste mit allen Veranstaltungen eines Jahres. Die Möglichkeit, regulierend einzugreifen, um den Veranstaltungskalender zu entzerren, sieht Kiel-Marketing-Geschäftsführer Ralf Hots-Thomas indes nicht. "Wir informieren Veranstalter – zum Beispiel, wenn es Überschneidungen bei Terminen gibt. Aber wir können und wollen keine Verbote aussprechen." Andererseits könne eine Landeshauptstadt wie Kiel durchaus parallel laufende Veranstaltungen verkraften.
So ähnlich sieht das auch der Sprecher der Stadt, Tim Holborn. "Es ist keine kommunale Aufgabe, bei Veranstaltungsüberschneidungen regulierend einzugreifen." Dies gelte im Grundsatz auch für die Frage, ob die Stadt nur Veranstaltungen mit entsprechender Qualität zulassen soll. "Ob sie erfolgreich sind oder nicht, regelt der Markt von alleine. Entweder gelingt es, mit einem entsprechenden Konzept Besucher anzulocken oder nicht" Allerdings gebe es auch Ausnahmen. So habe die Stadt es nicht zugelassen, dass der Veranstalter der Matjes- und Heringstage im August auch Sprotten-Tage anbieten kann. Begründung Holborns: "Bei den Matjes- und Herings-Tagen wurde zu stark vom zugesagten Konzept abgewichen."
Aus Sicht von Ralf Hots-Thomas sind innovative, auf den Markt zugeschnittene Konzeptionen das Erfolgsmodell, um auch im stetig größer werdenden Konzert der Veranstaltungen beim Publikum Gehör zu finden. Beispiele solcher auf Themen spezialisierter erfolgreicher Veranstaltungen seien das Duckstein-Festival, der Bauernmarkt oder die in diesem Jahr zum zweiten Mal in Kiel gastierenden Marktschreier. "Deren Konzept liegt voll im Trend, die Marktschreier-Gilde war sehr zufrieden mit Besuch und Umsatz in Kiel." Lars Bracker, einer der Großen auf dem Kieler Veranstaltungsmarkt (Kieler Umschlag, Kid's Festival, Bier-Festival, Hafenfest) spürt zwar auch, dass der Euro nicht mehr so locker sitzt wie in früheren Jahren. "Trotzdem kann man weiterhin Erfolg haben, wenn man von Jahr zu Jahr die Konzeptionen so verändert, dass sie sich von denen der Mitbewerber unterscheiden."
Daran will auch der Veranstalter der Matjes- und Heringstage, Willi Klausen, arbeiten. Mit Besucherzulauf und Umsätzen war Klausen zwar im Grundsatz "ganz zufrieden." Dennoch will er im kommenden Jahr das Thema Fisch noch mehr in den Vordergrund stellen und weniger Fahrgeschäfte zulassen. Der Veranstalter der Piratentage, Stephan Heinrich, sieht "großen Handlungsbedarf", hält Terminabsprachen für "absolut notwendig". Veranstalter und Stadt müssten an einen Tisch, um Überschneidungen so gut es geht zu vermeiden. "Mit ein bisschen gutem Willen sollte das gelingen, um Dopplungen von Angeboten zu vermeiden."
Von Jürgen Küppers
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