Nach Colossos und Balder: Jetzt wächst El Toro
16.12.2005
Ingenieur-Holzbau Cordes liefert Holzachterbahn in die USA - VON WIELAND BONATH
Waffensen. Im März, mit Beginn der nächsten Saison, ist es so weit: Dann windet sich eine gigantische Holzschlange von 1.341 Metern Länge aus imprägnierter Heide-Kiefer durch den Six-Flags-Park in Jackson (New Jersey), nicht weit entfernt von der Millionen-Metropole New York. Ein kurvenreiches Ungetüm von 55 Metern Höhe, konstruiert von der Firma Ingenieur-Holzbau Cordes in Waffensen. Jetzt hat Heinrich Cordes (64), der zusammen mit seinem Sohn Ulf (39) die Firma führt, zum ersten Mal Einzelheiten über den Freizeitpark-Riesen mitgeteilt und Bilder gezeigt.
Die Hälfte der rund 100 mit Material gefüllten Container ist von Bremerhaven aus bereits in den USA eingetroffen. Bis Ende Januar muss die Bearbeitung sämtlicher Hölzer abgeschlossen sein. Vorausgegangen ist das computerunterstützte dreidimensionale Konstruieren durch einen Holzbauingenieur. Das erfordert höchste Konzentration, denn fast sämtliche Bauteile sind, wenn teilweise auch nur in Nuancen, unterschiedlich.
Die rund zehn Mitarbeiter – in mehreren Schichten und auch an Wochenenden im Einsatz – sind in Sachen Holzachterbahn ganz besonders gefordert. Alles muss stimmen; Fehler könnten fatale Folgen haben. Das gehobelte, gefräste und nummerierte Kiefernholz wird zu mächtigen Paketen gebündelt. Nach der Reise über den großen Teich brauchen die Männer vor Ort die Warensendungen aus Waffensen nur noch zusammenzusetzen. Trotz des Winterwetters gehen die Arbeiten in den USA gut voran. Ein Teil der 55 Meter hohen Liftanlage von „El Toro“ wurde bereits fertiggestellt.
„Die Zulassung ausländischer Arbeitskräfte wird in den USA jeweils von den Bundesstaaten geregelt. New Jersey ist in diesem Zusammenhang besonders hart und restriktiv. Deshalb dürfen wir dort nicht tätig werden“, erklärt Heinrich Cordes zu der ungewohnten Praxis, dass kein Mitarbeiter von ihm direkt an der Baustelle im Six-Flags-Park tätig ist. „Wir haben die verantwortlichen amerikanischen Montageleiter hier in Waffensen in die Pläne und Montageabläufe eingewiesen.“ Bisher, so Cordes, sei das Ganze problemlos verlaufen.
„Colossos“ die weltgrößte Holzachterbahn im Heidepark Soltau, vor fünf Jahren ebenfalls von dem 100 Jahre alten Betrieb in Waffensen gebaut, war für Cordes der Einstieg in das Achterbahn-Geschäft. Vor zwei Jahren wurde im Göteborger Freizeitpark Liseberg eine weitere Anlage in gleicher Bauweise fertiggestellt: „Balder“, die inzwischen als beste Holzachterbahn der Welt ausgezeichnet wurde. Und jetzt „El Toro“ für den jährlich von rund 4,5 Millionen Menschen besuchten Freizeitpark vor den Toren von New York. Die Spitzengeschwindigkeit auf der 1.341 Meter langen Strecke beträgt 112 Stundenkilometer. Zwei Züge für je 36 Passagiere stehen zur Verfügung. Rund 1.500 Personen können pro Stunde den Achterbahn-Spaß mitmachen.
Heinrich Cordes wird im kommenden Jahr zur Einweihung mit einer kleinen Delegation in die USA fliegen. Der 64-Jährige: „Wir wollen selbstverständlich die Qualität unserer Arbeit, auch in Bezug auf Montagequalität, ansehen.“ Die ganze Abwicklung sei schließlich neu, weil mit komplett vorgefertigten Teilen gearbeitet werde.
Quelle: http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=55&command=showartikel&ID=41489