Gewerbeaufsicht prüft Gewinne
500 Lose werden verschweißt in einer Tüte geliefert
VON HARTMUT BRANDTMANN
Ein Himmel voller Plüschtiere (FOTO STEFAN BOSCHER)
Herford. Fortuna verteilt das Glück mit verbundenen Augen.Aber das Gewerbeaufsichtsamt schaut genau hin, wenn die Lose geliefert werden.
500 kommen, in einer Tüte verschweißt, in der Losbude von Willi-Adolf Parpalioni an. Eine freie Auswahl muss drin sein, eine Auswahl, ein Hauptgewinn, ein Tageszusatzgewinn, Mittelgewinne und eine bestimmte Anzahl von Extra-Punkten. So streng sind die Sitten im Glücksgeschäft.
Um so bunter ist die Dekoration, die die Laufkundschaft auch auf der Osterkirmes zum Lose-Kauf locken soll. Drei Leute sind zwei Tage lang beschäftigt bis 500 verschiedene Artikel, viele mehrfach, hängen und liegen auf einer Schau-Front, 20 Meter breit und 12 Meter hoch.
Sollte ein schwerer Hauptgewinn einem Passanten auf den Kopf fallen, ist er versichert.5.000 Euro gibt Parpalioni jedes Jahr aus für Feuer-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen.
Versichert waren wohl auch die Fahrgäste im Riesenrad, das vor Jahren auf der Mindener Kirmes stand - und sich nicht mehr bewegte. Nach einer Unwetterwarnung hatte die Stadtverwaltung den Strom abgeschaltet.Da half auch das Notaggregat nicht weiter. Kurzerhand wurde der Motor entriegelt, damit die Gondeln im Handbetrieb runtergekurbelt werden konnten. "Oben geblieben ist jedenfalls noch keiner", beruhigt Michael Lohmeyer, 1. Kassierer des Riesenrads auf der Kiewiese.
Auf der berühmten Paderborner Libori-Kirmes steht ein Zeugnis heimischer Kirmes-Kultur. "Herforder Bodenmühle" heißt Karussell mit Holzpferdchen, die vor über 100 Jahren in der Karussell-Werkstatt Wehmeyer am Martinsgang geschnitzt wurden. "Der Baum für den Mittelmasten war bei Vollmond geschlagen worden. Dieser Pfahl bekam keine Risse", erzählt der 85-jährige Hans Hirschhorn, den alle respekt- und liebevoll "Onkel Hänschen" nennen. Seine Pferdegeschichte endet mit dem Pferdeschwänzen. "Rabauken haben sie immer wieder rausgerissen. Zum Glück gab es damals fünf Pferdeschlachtereien in Herford.Von denen bekamen wir haarigen Nachschub."