- Offizieller Beitrag
Ein Blick hinter die Kulissen beim Aufbau der „Schlickerbahn” auf dem Ritzebütteler Marktplatz
Dreimal fuhr Jürgen Böttcher in der letzten Woche mit seinem Lastkraftwagen zwischen Berlin und Cuxhaven hin und her. Erst dann waren alle Teile für die große „Schlickerbahn” auf den Ritzebütteler Marktplatz gebracht.
Am letzten Donnerstag begann er mit seinem Drei-Mann-Team, das große Karussell aufzubauen. „Normalerweise haben wir dafür nur einen Tag Zeit”, sagt Böttcher. Das bedeutet Stress und Hektik, denn alles muss von 7 Uhr morgens bis in die Nacht aufgebaut werden, damit das Fahrgeschäft am nächsten Tag eröffnen kann. „Hier in Cuxhaven haben wir mehr Ruhe”, freut sich Jürgen Böttcher.
Zum zweiten Mal ist er beim traditionellen Fleckenmarkt dabei. Seit 1983 schon verdient Böttcher mit seinen Fahrgeschäften den Lebensunterhalt. „Das ist heutzutage nicht mehr so einfach, denn die Kosten steigen, während wir immer weniger einnehmen”, so der Berliner. Mit seinen Männern nutzte er am Donnerstag jede Minute, um die „Schlickerbahn” von Grund auf zu säubern. „Dafür haben wir eben nur Gelegenheit, wenn mal etwas Pause zwischen den Festen ist.”
Herzstück des Karussells ist der Mittelbauwagen, der zuerst auf den moddrigen Marktplatzboden gestellt wurde. Auf ihm baut das ganze Fahrgeschäft auf. Rund um den Mittelbauwagen wurde das Gerüst gelegt, auf dem später Bodenplatten und das eigentliche Fahrgestell montiert wurden. Der Mittelbauwagen trägt die Mechanik, die die Waggons später im Kreis drehen wird.
An zwei gegenüberliegenden Säulen, die ebenfalls am Mittelbauwagen montiert sind, wird das Dach gestützt. Diese Säulen können nach oben ausgefahren werden, so dass das Karusselldach hoch genug ist, damit darunter genug Platz für das eigentliche Karussell bleibt. Die Platten, die das Dach verzieren, wurden eng nebeneinander gestapelt transportiert. „Es ist schon erstaunlich, dass wir dieses große Karussell mit drei Lastwagen bewegen können”, sagt selbst Böttcher. Jede kleine Nische wird auf den LKW-Anhängern ausgenutzt, denn schließlich kosten Lastwagen und Dieseltreibstoff eine Menge Geld. Auch die Waggons, Bodenplatten und Räder, mit denen sich das Karussell dreht, werden Platz sparend gestapelt.
Am nächsten Tag wurden mit einem Vermessungsgerät die Streben, die über den unebenen Erdboden führen, überprüft. Mit Hilfe von kleinen Platten unter den Standfüßen bleiben sie in waagerechter Position, um so das Fahrgeschäft stabil zu halten. Währenddessen montierte Jürgen Böttcher einen Kran auf seinem Lastwagen. Damit lud er Einzelteile wie Bodenplatten, Waggons, Geländer und anderes vom Anhänger ab. Die Einzelteile wurden daraufhin zusammengesteckt und -geschraubt, während unter dem Dach die Discokugeln auf Hochglanz poliert wurden.
Am Sonnabend stand die „Schlickerbahn” fast fertig da. Der schräg verlaufende Boden aus silbernen und grünen Platten lag aus, das Kassiererhäuschen war platziert, die Discokugeln schwebten unter dem Dach. Noch fehlten die silberglänzenden Waggons mit dem goldenen Drachen. Diese wurden am Sonntag an den roten Metallstangen befestigt, die zur Mitte hin zusammenlaufen. „Länger hätten wir damit nicht warten dürfen, denn die anderen Schausteller brauchen ab morgen Platz zum Aufbauen”, erklärte Jürgen Böttcher. Bis Sonntag standen nur der „Dancer” und kleinere Buden auf dem Marktplatz. Montagmorgen bot sich ein anderes Bild. Die anderen Schausteller waren eingetroffen, um sich auf fünf Tage Fleckenmarkt vorzubereiten. Für Jürgen Böttcher kein Problem, denn sein Karussell war so gut wie fertig.
Die letzten drei Tage vor der Eröffnung nutzten er und sein Team, um die unzähligen Glühlampen, die das Fahrgeschäft erstrahlen lassen sollen, zu überprüfen. „Kaputte Lampen tauschen wir aus. Jetzt kontrollieren Feuerwehr und Gewerbeamt noch unsere Arbeit. Dann können wir wirklich loslegen”, so Böttcher.