PADERBORN: Sommer startet mit Lars durch
Einzigartiges Schulprojekt für Schausteller-Kinder erreicht nächste Phase
VON HOLGER KOSBAB
Es geht voran (FOTO: HOLGER KOSBAB)
Paderborn. Der 14-jährige Harry Perl kommt viel herum - wie alle Kinder von Schaustellern. Und er sitzt jede Woche in einer anderen Klasse. Überall dort, wo sein Vater Crêpes verkauft. Damit Schüler wie er gefördert werden, hat die Bezirksregierung mit Kooperationspartnern das Projekt Lars entwickelt, das gestern im Heinz-Nixdorf-Museumsforum in die zweite Phase ging. Den offiziellen Startschuss gab es von Schulministerin Barbara Sommer.
Lars steht für Lernen-auf-Reisen-Schule und ist ein bundesweit einzigartiges Internetportal. Es ergänzt den Unterricht in den Stamm- und Stützpunktschulen. Haben sich die 26 teilnehmenden Mädchen und Jungen - zwölf von ihnen kommen aus OWL - angemeldet, blicken sie auf einen virtuellen Schreibtisch. Mit Aufgaben zur individuellen Förderung, erstellt von insgesamt sechs Lernbegleitern.
Im Extremfall kommen die Kinder von Schaustellern, reisenden Handwerkern, Binnenschiffern oder Zirkusartisten - bundesweit 12.000 - auf 30, 40 Schulen pro Jahr. Auch für Harry ist es normal zwischen März und November "ständig die Klasse zu wechseln". Bis zu zwei Stunden täglich lernt er am Computer Mathe oder Deutsch und Englisch. Weitere Aufgaben bekommt der Herforder aus seiner Stammschule (Otto-Hahn-Realschule). "Damit wir auf dem gleichen Stand bleiben", sagt Harry.
Nach vier ununterbrochenen Grundschuljahren musste sich die 13-jährige Laura Parpalioni aus Herford "erst einmal an die Wechsel gewöhnen". Mittlerweile gefällt es ihr gut. Und schulisch hat sie keine Nachteile. "Das gleicht sich aus: Manche Themen kennen wir schon, bei anderen hinken wir hinterher."
Manche Themen kennen wir schon, bei anderem hinken wir hinterher
Mit den Lars-Begleitern kommuniziert sie über E-Mails und ein Forum. "Zukünftig soll auch übers Internet gesprochen werden", erklärt Mathelehrer Bernd Beuerbach. Für ihn ist Lars ein besonderer Reiz. Um die Kinder zu betreuen, bekommen er und seine Kollegen fünf Entlastungsstunden pro Woche.
Insgesamt wurden für das Projekt, an dem neben der Bezirksregierung, die Universität Paderborn, das Heinz-Nixdorf-Museumsforum, das Heinz-Nixdorf-Institut und Fujitsu Siemens beteiligt sind, vier Lehrerstellen geschaffen. Für Ministerin Sommer vereint es zwei Bildungsgrundsätze: "Jedes Kind ist anders. Kein Kind darf verloren gehen." An der Pilotphase hatten acht Kinder mitgemacht. Von diesem Testcharakter möchte Koordinator Ulrich Voigt weg. "Wir wollen den Regelbetrieb." Dazu benötigt er einen Träger. Informell wird ein Verein mit ihm als Vorsitzenden diese Aufnahme übernehmen.
Quelle: nw-news.de