Wildpark statt Raketen: Keine Freude in Kleinhartpenning
Belastung durch Verkehr befürchtet - Gemeinderat lehnt ab
VON CHRISTINA JACHERT-MAIER Kleinhartpenning - Wo früher Flugabwehr-Raketen stationiert waren, soll ein Streichelzoo entstehen. Geplant sind elf Gehege mit diversem Getier und viel Platz für Besucher. Die Absicht von Alfons Kaiser, einen Wildpark in Kleinhartpenning zu errichten, stößt bei Dorfbewohnern und Kommunalpolitikern auf Widerstand. Der Holzkirchner Gemeinderat erteilte Kaiser bei seiner jüngsten Sitzung eine Absage. Doch der Kampf wird weitergehen.
Alfons Kaiser, Oberhaupt einer Schausteller-Familie aus Sauerlach, wundert sich. "Andere Gemeinden wären froh, wenn sie so etwas bekommen würden", meint der 57-Jährige. Jahrzehntelang war er mit Fahrgeschäften in ganz Deutschland unterwegs. Die Schaustellerei hat der Sauerlacher seinem Sohn übertragen, er selbst will sich mit dem Wildpark einen Traum erfüllen. Rotwild und Mufflons sollen auf dem hügeligen Gelände ein Zuhause finden, Kinder auf dem Abenteuerspielplatz Spaß haben. Und natürlich werden die Besucher auch bewirtet. "Die Leute können ja nicht hungrig herumlaufen", sagt Kaiser. Neu bauen muss er nichts: Auf dem zwölf Hektar großen Gelände stehen noch Betriebsgebäude der Bundeswehr, in denen Kiosk und Restaurant Platz finden. "Das Gelände ist einfach ideal", betont der Sauerlacher. Schon im Mai will Kaiser eröffnen. "Wir bauen unseren Park langsam auf." Er stehe in engem Kontakt mit Wildparks in ganz Deutschland. Deren Nachzucht werde nach und nach die Gehege füllen. Ansonsten brauche es nicht viel: Die Baulichkeiten seien vorhanden, ebenso Wasser und Strom sowie der Anschluss ans Kanalnetz. Was noch fehlt, sind die Parkplätze: 100 für Autos und sechs für Busse.
"Wir sind da so weit draußen, dass wir niemanden stören", findet Kaiser. Eine Meinung, die der Gemeinderat geschlossen nicht teilt. Befürchtet wird eine enorme Belastung des kleinen Dorfes durch den Verkehr, die Zerstörung von dessen ländlichem Charakter. Eine Haltung, die dem Plenum Applaus einbrachte - als die Bauvoranfrage Kaisers im Rathaus diskutiert wurde, waren zahlreiche Kleinhartpenninger als Zuhörer gekommen.
Leider, so erklärte Bauamtsleiter Fritz Wiedemann, sei davon auszugehen, dass der Wildpark ein privilegiertes Vorhaben sei, also den Vorzug genieße, trotz der Lage im Außenbereich eine Genehmigung zu erhalten.
"Das ist einfach ein auf Gewinn ausgerichtetes Gewerbeunternehmen", machte CSU-Fraktionschef Bernd Weinmann deutlich. Es gehe nur darum, möglichst viele Besucher anzuziehen. Den Kleinhartpenningern sei der Trubel nicht zuzumuten. "Die hatten 30 Jahre lang die Raketenstellung im Genick", erinnerte er.
Es gehe um ein "knallhartes Geschäft", meinte auch SPD-Fraktionsmitglied Wolfgang Huber, selbst Kleinhartpenninger. Er könne sich einfach nicht vorstellen, dass in einem der schönsten Flecken der Gemeinde die Einrichtung einer Großgastronomie wirklich unter den Privilegierungs-Paragraphen falle. "Das Ziel muss sein, das Land den Bauern und der Natur zurückzugeben", betonte Huber. Er plädiere dafür, bei Bedarf auch eine Normenkontrollklage einzureichen.
Schmale Zufahrt bemängelt "Es besteht ein hohes Risiko, dass wir den Wildpark nicht verhindern können", meinte Günther Schuler (SPD). Dies hier, erinnerte sein Fraktionskollege Hans Putzer sei "nur die erste Runde". Einmütig lehnte das Plenum die Bauvoranfrage ab, weil die Zufahrtsstraße zu schmal sei und eine Abbiegespur auf der Bundesstraße fehle. Alfons Kaiser lässt sich davon nicht entmutigen. Er hat längst einen Anwalt damit beauftragt, seine Interessen durchzukämpfen. "Und wenn die Straße zu schmal ist", sagt er, "dann machen wir sie halt breiter."
Quelle: http://www.marktplatz-oberbayern.de/regionen/miesb…74df5f142b37860